Gegen dicke Luft und Stau in den Städten: Millionen aus dem Bundeshaushalt sollen es richten. Wir haben uns die Projekte angesehen und festgestellt: Den ÖPNV einfach nur billiger machen, bringt nicht viel.

In Essen startete die Verkehrsgesellschaft den Verkauf stark vergünstigter Tickets. Das Kontingent von 1000 Stück war bereits im Lauf dieses Tages ausverkauft. Die zunächst auf zwei Jahre beschränkte Aktion soll vor allem Autofahrer dazu bewegen, auf Bus und Bahn umzusteigen. Dafür  stellt der Bund in Essen rund 21 Millionen Euro zur Verfügung.

Essen ist eine von fünf Kommunen in Deutschland, in denen der Bund mit insgesamt 130 Millionen Euro Modellprojekte beim Nahverkehr und zur Verringerung der Luftbelastung unterstützt. Vergleichbare Vorhaben gibt es in Bonn und den Baden-Württembergischen Städten Herrenberg, Mannheim und Reutlingen. Johannes Döbbelt, unser Reporter, hat sich die Projekte angeschaut und mit Experten gesprochen, was das Ganze am Ende bringt.

1000 vergünstigte Jahrestickets für Essen

In Essen konnten Neukunden bis zum Ausverkauf Abonnements für das Stadtgebiet zum halben Preis beantragen. Das sind in der günstigsten Variante 34,33 Euro monatlich und das maximal für die Dauer von zwei Jahren. Normalerweise kostet das 68 Euro im Monat. 

Das Angebot gilt allerdings nur für Neukunden der Ruhrbahn in Essen. Zusätzlich gibt es jeden Monat einen 30-Euro-Gutschein für ein Carsharing-Fahrzeug. Leihfahrräder sind in den ersten 30 Minuten kostenlos. Beim Kauf eines 30-TageTickets ist das nächste Ticket - wiederum nur für Neukunden - kostenlos. Das Online-Bestellformular steht noch auf jetztwechseln.ruhrbahn.de.

Der Verkehrswissenschaftler Martin Randelhoff hält die Unterstützung vom Bund prinzipiell für eine gute Idee. Es könne aber auch sein, dass sich einige der Neukunden sowieso ein Abo kaufen wollten und jetzt nur auf das günstige Angebot gewartet haben.

Kostenloser ÖPNV ist nicht die beste Idee

Eine Studie der TU Dortmund kommt zu dem Ergebnis, dass selbst wenn der ÖPNV komplett kostenlos wäre, würden immer noch nicht besonders viele Autofahrer auf ihr Auto verzichten wollen.

"Wir haben festgestellt, dass diese Maßnahme am allerwenigsten bringt. Sie bewegt die Autofahrer nicht zum Umsteigen und das hat mit dem Komfortfaktor zu tun."

Neue Kunden will man auch in Bonn werben. Dort gibt es vom 1. Januar an ein 365-Euro-Ticket. Rein rechnerisch kann man damit also jeden Tag in Bonn für einen Euro Bus und Bahn fahren. Normalerweise kosten diese Tickets knapp 990 Euro.

Maßnahmen, die gegen übermäßigen Autoverkehr und die daraus resultierende Luftbelastung in den Städten helfen könnten, gibt es viele . Dazu gehören laut Johannes Weyer: 

  • City-Maut für Autofahrer
  • Tempo 30 in Innenstädten
  • mehr Radwege 
  • mehr Ladestationen für E-Bikes 

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