Die estnische Hauptstadt Tallinn macht es vor: Busse und Bahnen können kostenlos genutzt werden. Auch hier wird das oft gefordert, aber nicht wirklich in Betracht gezogen. Das Gegenargument: Ein kostenloser ÖPNV wäre zu teuer.

Die Verluste wären in dreistelliger Millionenhöhe, wenn beispielsweise die Berliner Verkehrsbetriebe auf kostenlosen Personennahverkehr umstellen würden. Ein Minus von 777 Millionen Euro, die durch Ticketverkäufe eingenommen wurden, müssten von der Kommune ausgeglichen werden. Da das nicht realistisch ist, wird solch ein Modell auch nicht ernsthaft in Betracht gezogen.

Bisher nutzen in Berlin fünf bis 25 Prozent der Bürger die öffentlichen Verkehrsbetriebe. Würde man einen kostenlosen Personennahverkehr einführen, wären die Kapazitäten schnell ausgelastet, da sich die Anzahl der Fahrgäste schätzungsweise verdoppeln. Die Investition von großen Summen wäre nötig, um einen reibungslosen Transport zu ermöglichen.

Experimente gescheitert - in Estland funktioniert's

Mit dem kostenlosen ÖPNV wurde bereits in den US-Städten Seattle und Portland, in der belgischen Stadt Hasselt und in Templin in Brandenburg experimentiert. Der Versuch ist überall gescheitert, weil die Kosten zu hoch sind.

Aktuell sind in der estnischen Hauptstadt Tallinn Busse und Bahnen kostenlos. Da läuft das Experiment seit knapp drei Jahren und funktioniert bisher gut.

"Eine Idee wäre zum Beispiel, dass diejenigen, die das nutzen wollen, einen Beitrag dafür leisten. Dann wären die Mittel dafür vorhanden, dass die Stadt einen ticketfreien Nahverkehr einrichtet."
Anja Smetanin, Verkehrsclub Deutschland

Eine Alternative zum kostenlosen Nahverkehr, die hierzulande diskutiert wird, wäre die Abgabe eines festen Satzes an die Stadt oder Kommune wie etwa der Rundfunkbeitrag. Eine Umsetzung ist aber schwierig, weil es immer Menschen gibt, die Busse und Bahnen nicht nutzen und demnach nicht bezahlen wollen. Die Kosten ließen sich gesamtgesellschaftlich akzeptiert wohl nicht auf die gesamte Stadtbevölkerung umlegen.

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