Wie muss sich Ötzi damals gefühlt haben? Das haben drei Menschen getestet und sind in jungsteinzeitlichem Outfit von Detmold nach Bonn gewandert.

Die drei Ötzi-Walker sind die Biologin und Fotografin Veronika Hocke, der Archäologe und Landschaftsführer Marco Hocke sowie der Pädagoge Lukas Heinen. In zwei Wochen sind sie zu Fuß eine Strecke gewandert, für die wir heute mit dem Auto zweieinhalb Stunden brauchen. Aber nicht nur das. Sie haben sich Kleidungsstücke und Schuhe angefertigt, die die Menschen in der Jungsteinzeit getragen haben. Für den täglichen Überlebenskampf haben sie jungsteinzeitliche Werkzeuge gebastelt, sich von der Natur zwischen Detmold und Bonn ernährt und im Freien geschlafen. Marco und die beiden anderen Ötzi-Walker sind nach 250 Kilometer Wanderschaft inzwischen in Bonn angekommen und haben sich wieder Baumwollhemden übergeworfen und modernes Schuhwerk angezogen.

"Das war eine tolle Zeit. Viele schöne Erfahrungen gesammelt und tolle Erlebnisse gehabt. Ich bin insgesamt froh, dass ich es gemacht habe."
Marco Hocke, Archäologe

Ziegenbeinlinge nennt Marco die jungsteinzeitlichen Slipper, die er sich über die Füße zog. Auf der Haut trugen die drei Legeres aus Leinen. "Ich musste mich nur darauf konzentrieren, dass meine Füße mitmachen beziehungsweise der Rucksack auch hält, den wir selbst gemacht hatte. Das war das, was mich bewegt hat, aber das gab mir auch Zeit, mal so richtig abzuschalten", schwärmt Marco von seiner zweiwöchigen Wanderschaft.

"Wir hatten zwei Regentage gleich zu Anfang. Die Klamotten waren vollgeregnet. Statt 16 Kilo waren es dann plötzlich 30 Kilo Rucksack, die wir mitzuschleppen hatten. Die Felle haben sich vollgesogen. Das ist eine Erfahrung, die ich im Alltag so nicht habe."
Marco Hocke, Archäologe

Für sich ganz persönlich hat Marco ein entspanntes Verhältnis zu seinem Alltag gelernt. Auch seine Sensibilität gegenüber den Materialien, die er im Alltag benutzt, sei gestiegen. Besonders hart fand Marco, nachts im Freien zu schlafen, weil es teilweise doch sehr kalt geworden sei unter dem Leinensack. Dagegen seien die Jungsteinzeitler auf ihren Wanderschaften von Dorf zu Dorf gezogen und hätten nachts in Hütten geschlafen und nicht im Freien.

Der Ötzi-Walk ist der Auftakt zur Ausstellung "Revolution jungSteinzeit" im LVR-LandesMuseum in Bonn, die am 5. September 2015 beginnt. Die Jungsteinzeit gilt als eine der bedeutendsten Epochen der Menschheitsgeschichte, weil der Mensch begann, sesshaft zu werden. Prominentester Vertreter der Zeit ist Ötzi.

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