Mehr Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte, weniger Fleisch, Fett, Salz und Zucker. Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir hat seine Ernährungsstrategie für Deutschland vorgestellt. Auch ein Werbeverbot für Kalorienbomben im Kinderfernsehen steht drin und Maßnahmen zum Rückgang der Vernichtung von Lebensmitteln.

Die neue Ernährungsstrategie ist ein Eckpunktepapier von zehn Seiten Dicke mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen, erklärt Dirk-Oliver Heckmann aus dem Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio. Hier mal ein paar davon:

  • Mehr ökologisch erzeugte Lebensmittel aus der Region: In Mensen und staatlichen Kantinen soll ein Bio-Anteil von 30 Prozent als Standard festgeschrieben werden – das entspricht den aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Private Anbieter sollen dabei unterstützt werden, dieses Ziel zu erreichen.
  • Im Kinderprogramm im Fernsehen soll Werbung für Zucker und Kalorienbomben verboten werden.
  • Die Vernichtung von Lebensmitteln soll stark reduziert werden. Fast elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden pro Jahr in Deutschland weggeworfen. Dieses hatte sich allerdings auch schon die letzte Bundesregierung vorgenommen.

Am Konzept haben neben dem Bundeslandwirtschaftsministerium viele verschiedene Organisationen und Gruppierungen mitgearbeitet, zum Beispiel Bauern- und Verbraucherverbände.

Erst mal nur Eckpunkte

Das Ganze sind erst mal nur Eckpunkte, die jetzt im Kabinett verabschiedet worden sind. Das alles muss jetzt noch in Gesetze und Verordnungen gegossen werden, über die das Parlament dann abstimmt.

"Der Tag der Vorstellung des Ernährungsplans war übrigens Özdemirs Geburtstag – vielleicht hat er sich damit auch so eine Art Geburtstagsgeschenk gemacht."
Dirk-Oliver Heckmann, Korrespondent im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio

Die Vorstellung des Ernährungsplans für Deutschland kam kurz vor knapp am letzten Sitzungstag und drei Tage vor Weihnachten. Hintergrund: Im Koalitionsvertrag zwischen SPD, Grünen und FDP war vereinbart worden, bis 2023 eine Ernährungsstrategie vorzulegen. Es wurde also Zeit. Nebenbei war der Tag der Präsentation auch noch Cem Özdemirs Geburtstag.

Die Reaktionen auf die Strategie fallen erwartungsgemäß unterschiedlich aus. Albert Stegemann, der ernährungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, hat unserem Korrespondenten erzählt, in der Analyse sei man sich mit den Regierungsparteien zwar völlig einig: Es sei erschreckend, wie stark die Fälle von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen ansteigen.

Union für mehr Ernährungsbildung

Mit Verboten komme man hier allerdings nicht weiter, glaubt er, sondern eher mit Ernährungsbildung: Man müsse viel besser vermitteln, was gesund ist und was nicht. Außerdem müssten mehr Menschen davon überzeugt werden, wie wichtig und sinnvoll es ist, Sport zu treiben. Und – das sei sogar am wichtigsten: Es dürfe keine ideologische Anti-Fleisch-Kampagne geben.

Ingrid Harke, Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, hat ihm gegenüber von einer "Umerziehung per Masterplan" gesprochen, berichtet Dirk-Oliver Heckmann. Natürlich sei es richtig, besser aufzuklären – aber von Quoten halte sie gar nichts. Außerdem sei Bio auch nicht automatisch gesünder oder nachhaltiger – das habe auch damit zu tun, von wo die Produkte herantransportiert werden.

"Bio ist nicht immer automatisch auch gesünder oder nachhaltiger, hat mir Ingrid Harke, Geschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, gesagt."
Dirk-Oliver Heckmann, Korrespondent im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio

Vegetarische und vegane Angebote seien bereits jetzt schon erfolgreich in Kantinen platziert worden, sagt Ingrid Harke. Eine Mehrzahl der Verbraucher*innen sei zudem einfach nicht bereit, für Bio mehr Geld auszugeben.

  • Moderation:  Thilo Jahn
  • Gesprächspartner:  Dirk-Oliver Heckmann, Korrespondent im Deutschlandfunk-Hauptstadtstudio