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Vor drei Jahren kehrte der ehemalige Chef der Tengelmann-Gruppe Karl-Erivan Haub nicht aus seinem Urlaub in den Bergen zurück. Seitdem wurde er nicht mehr gesehen und galt als vermisst. Jetzt wurde der Milliardär offiziell für tot erklärt. Warum das wichtig ist und wann jemand offiziell als tot erklärt wird, erklärt Kriminalbiologe Mark Benecke.

Gerüchte gab es viele: Der Milliardär habe ein Doppelleben geführt und sei abgetaucht, zum Beispiel. Seine Familie geht hingegen davon aus, dass Karl-Erivan Haub verunglückt ist. Eine Leiche wurde jedenfalls bis heute nicht gefunden - für tot hat ihn das Amtsgericht Köln aber nun trotzdem erklärt.

"Gilt eine Person als verschollen, kann sie eigentlich erst nach Ablauf von zehn Jahren als tot erklärt werden. Bei über 80-Jährigen sind es nur fünf Jahre, bei Kindern und Jugendlichen bis mindestens zu dem Zeitpunkt, an dem sie 25 Jahre geworden wären."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Für Fälle, in denen eine Person nicht mehr auffindbar ist, aber keine Leiche gefunden wurde, greift in Deutschland das Verschollenheitsgesetz. Das besagt, dass eine Person grundsätzlich erst zehn Jahre nach dem letzten Lebenszeichen als tot erklärt werden kann, sagt Kriminalbiologe Mark Benecke.

Das letzte Lebenszeichen kann unterschiedlich sein: eine Nachricht, eine Videoaufzeichnung oder ein Anruf zum Beispiel. Außerdem muss die Person auch zu Lebzeiten fähig gewesen sein, überhaupt solche Zeichen von sich zu geben.

Frist kann per Antrag verkürzt werden

Die Frist kann, wie es im Fall von Karl-Erivan Haub geschehen ist, allerdings verkürzt werden, wenn eine Person aus einem bestimmten Personenkreis einen Antrag darauf stellt. Zu diesem Kreis zählen etwa Ehegatten, eingetragene Lebenspartnerinnen und -partner, gesetzliche Vertreter und Vertreterinnen, aber auch Eltern und Kinder.

"Neben nahestehenden Personen kann auch die Staatsanwaltschaft einen solchen Antrag stellen und außerdem jeder Mensch, der ein berechtigte Interesse an der Feststellung des Todes hat."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Ob dieser Antrag angenommen wird, muss allerdings das zuständige Gericht entscheiden. Nur wenn das Gericht zu dem Schluss kommt, dass ein berechtigtes Interesse vorliegt oder nichts gegen eine Todeserklärung spricht, kann die Frist verkürzt werden.

Berechtigtes Interesse an Todeserklärung

Ein berechtigtes Interesse muss an der Todeserklärung bestehen - es reicht also nicht aus, dass eine verschollene Person einem Geld schuldet, erklärt der Kriminalbiologe. Es müssen für die antragstellende Person Ansprüche bestehen, die sich gerade aus dem Tod der verschollenen Person ergeben, also etwa Witwenrente oder ein Erbanteil.

"Bei Organspenderinnen und -spendern müssen zwei Fachärztinnen, die später keine der Organe entnehmen und besonders qualifiziert in solchen Fällen sind, den Tod feststellen."
Mark Benecke, Kriminalbiologe

Neben verschollenen und vermissten Personen ist auch die Frage des medizinischen Tods in vielen Fällen strittig. Bei Menschen mit Organspendeausweis, die beispielsweise im Koma liegen, müssen deshalb zwei Fachärztinnen, die kein Interesse an der Organentnahme haben und nach ihrem Studium eine zusätzliche fünfjährige Ausbildung absolviert haben, den Tod feststellen.

Verschiedene Hinweise für Eintritt des Todes

Dabei werden zum Beispiel die Reflexe der Pupillen getestet. Die Ärzte müssen so feststellen, ob eine unumkehrbare Schädigung des Gehirns stattgefunden hat, erklärt der Experte. Nur dann ist die Erklärung des Todes auch aus medizinischer Sicht legitim.