Seit fast zwei Jahren knien einige Profis der National Football League (NFL) während der Nationalhymne - aus Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus. Das hat für viel Zoff gesorgt in den USA. Ab der nächsten Saison ist das Knien jetzt verboten.

Den US-Präsidenten wird es freuen. Denn auch er hatte sich beim Thema zu Wort gemeldet: Spieler, die das täten, seien unpatriotische Hurensöhne, die man sofort feuern sollte.

"When somebody disrespects our flag: Get this son of a bitch off the field right now. Out. He’s fired. He’s fired!"
Donald Trump

Das offizielle Knie-Verbot gilt ab der neuen NFL-Saison, erklärt Ronald Menn von den Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten.

Geldstrafen und mehr

Wer dann trotzdem noch zu "The Star-Spangled Banner" das Knie beugt, muss damit rechnen, eine Geldstrafe aufgebrummt zu bekommen – beziehungsweise der Verein, für den der Spieler auf dem Feld steht. Auch wenn man sich eine andere Protestvariante ausdenkt, kann das passieren. Vereinsintern droht weiterer Stress - da bekommen die Teamchefs freie Hand, was die Strafe angeht. 

Auf diese Maßnahmen hat sich die NFL mit den Clubbossen geeinigt. Sie hat einen ganzen Schwung neuer Regeln auf den Weg gebracht, wie der Ablauf der Hymne auszusehen hat, sagt Ronald Menn. 

"Alle auf dem Feld müssen während der Zeremonie stehen und Respekt zeigen – und zwar nicht nur die Spieler, auch die Schiris."
Ronald Menn, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Wer dabei nicht mitmachen will, der hat in Zukunft allerdings noch eine Möglichkeit: Er darf nämlich einfach in der Kabine bleiben und dort protestieren. 

Protest in der Kabine

Bisher gab es die Pflicht, dass jeder Spieler bei der Hymne auf dem Platz sein muss. Diese Regel gilt ab der nächsten Saison nicht mehr. Es kann also sein, dass demnächst bei der Hymne ein paar Spieler fehlen und erst später dazukommen. 

Die Message ist trotzdem klar: Die starken Bilder von knienden Spielern während der Hymnen-Zeremonie, die soll es nicht mehr geben.

Begründung der NFL

Die Knie-Proteste hätten leider den Eindruck erweckt, tausende NFL-Spieler seien unpatriotisch, sagt NFL-Commissioner Roger Goodell. Diesem Eindruck will die NFL entgegengetreten. 

Außerdem soll so erreicht werden, dass wieder das Spiel und die Sportler im Vordergrund stehen – und die Fans, die das Spiel genießen wollen.

Nicht alle Seiten am Gespräch beteiligt

Eine Lösung, mit der alle gut leben können, ist das aber nicht, sagt Ronald Menn. Das liege schon allein daran, wer diese Entscheidung getroffen habe: die NFL-Chefetage und die 32 Club-Chefs nämlich, die fast alle weiß sind. Die Spieler fehlten am Verhandlungstisch.

"Nicht beteiligt waren die, um die es geht: die Spieler – übrigens zu 70 Prozent Schwarze."
Ronald Menn, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichten

Die Spielergewerkschaft ist dementsprechend sauer. Sie hat auch schon mit rechtlichen Schritten gedroht. Denn gelöst hat die NFL den Konflikt ja nicht, sie will ihn einfach nur in die Kabine verbannen, so Ronald Menn. Kritiker meinen, die neuen Regeln seien nur dazu da, protestierende Spieler zum Schweigen zu bringen. 

Eigentor der NFL-Bosse?

Gut möglich, dass die NFL sich ein Eigentor geschossen hat, meint Ronald Menn. Wenn nämlich in Zukunft einige Vereine ihre Spieler bestrafen und andere nicht, dann könnten plötzlich ganze Vereine unter Rassismusverdacht stehen. 

Interessant sei auch, sagt Ronald, dass selbst die Clubbosse nicht alle glücklich mit der Entscheidung sind. Die Entscheidung war zwar einstimmig, doch der Besitzer der San Francsico 49ers gab an, sich enthalten zu haben. Bei den 49ers hatte der Hymnen-Protest 2016 angefangen – mit Quarterback Colin Kaepernick. Er wurde danach gefeuert und ist bis heute arbeitslos, weil ihn kein Verein mehr unter Vertrag nehmen will.

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