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Mikita Franko erzählt in seinem Romandebüt "Die Lüge" von Miki und den zwei Welten, in denen er aufwächst. Miki verbringt eine schöne Kindheit bei Slawa und Lew. Anderen darf er aber nichts von seinen zwei Vätern erzählen. Die Lügerei macht Miki wütend.

Triggerwarnung: In diesem Roman geht es um Homophobie und Selbstmordgedanken. Hier findet ihr Hilfsangebote, falls ihr Hilfe benötigt.

Miki läuft davon. Wohin weiß er nicht, aber wovor. Sein Onkel Slawa und Lew haben nur Ärger mit ihm – und er mit ihnen. Also läuft der Achtjährige von zu Hause weg. Der Regen und die Dämmerung sollen ihm Schutz geben, damit ihn niemand erwischt.

Dem Streit entfliehen

Miki entscheidet sich für die Gleise. In der Kleinstadt kennt er sich nämlich noch nicht so gut aus, aber er weiß, dass Züge Menschen in andere Städte bringen. Also folgt er den Schienen. Als er durch ein unheimliches Waldstück läuft, überlegt er noch einmal zurückzugehen. Aber dann erinnert er sich an den Streit mit Lew, an die schlimmen Wörter, die er Lew an den Kopf geworfen hat und an den Schlag.

Plötzlich hält ihn jemand an seiner Schulter fest. Miki erschrickt. Es ist ein fremder Junge, der ihn davor warnt, wie gefährlich es ist, auf den Gleisen zu laufen. Der Jung spricht mit Miki, tröstet ihn und bringt ihn schließlich wieder zu Slawa und Lew nach Hause. Miki wird diesem Jungen nicht mehr begegnen. Er wird ihn aber nie wieder vergessen. Beide haben sich auf ihre Art irgendwie gerettet.

"Mikita Franko schreibt mitreißend. Es ist unmöglich, sich dem kleinen Miki und seinen Erlebnissen zu entziehen und nicht wissen zu wollen, wie es mit ihm weitergeht."
Lydia Herms, Deutschlandfunk-Nova-Rezensentin

Gefangen in zwei Welten

Miki ist fünf Jahre alt, als seine Mutter stirbt und er zu seinem Onkel Slawa, dem Bruder seiner Mutter, kommt. Er hat eine fröhliche Kindheit. Anderen darf er aber nur eine bestimmte Version von seinem Leben zu Hause erzählen.

Miki muss lügen und verheimlichen, dass er zwei Väter hat. Sein Adoptivvater Slawa lebt nämlich mit einem Mann zusammen, mit Lew. In der russischen Kleinstadt und in Russland überhaupt ist Homosexualität ein Tabu und Slawa hat Angst, dass die Behörden ihm den Jungen wegnehmen, wenn bekannt wird, dass er schwul ist.

Miki hasst das Versteckspiel. Er wird wütend und in ihm keimen homophobe Gedanken auf, für die er sich selbst hasst. Er kämpft mit Selbstzweifeln und mit diffusen Ängsten. Dann beschließt er etwas auszuprobieren und schreibt online über sein Leben.

Das Buch:

"Die Lüge" von Mikita Franko, aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt von Maria Rajer, Hoffmann und Campe, 383 Seiten, Hardcover: 24 Euro, E-Book: 14,99 Euro; ET: 03.05.2022