Fairphone liefert die Smartphones schon ohne Ladezubehör aus. Samsung und Apple könnten demnächst nachziehen. Manche sehen darin eine zweifelhafte Motivation.

Sowohl Apple als auch Samsung erwägen, ihren Smartphones künftig keine Ladekabel mehr beizulegen. Die Begründung: Die meisten Menschen hätten inzwischen sowieso schon Ladekabel und -adapter zuhause, da müsse nicht zu jedem Gerät ein neues dazu gelegt werden.

Darüber, warum genau und für wen der Verzicht auf Ladekabel von Vorteil sein soll, ist sich die Fachpresse uneinig. Fest steht: Auf die Ladegeräte zu verzichten, spart Geld. Die Frage ist aber: Wem?

"Verwende das Zubehör, das du schon besitzt"

Samsung und Apple lässt sich leicht vorwerfen, sie würden in Zukunft die Geräte ohne Ladekabel ausliefern, um noch den letzten Euro zu sparen. Andererseits: Sie stehen genau wie andere Hersteller in Konkurrenz zueinander. Wer den Preisvorteil an die Kunden weiter gibt, hat einen Wettbewerbsvorteil.

Ob geplant oder in Kauf genommen: Dem Klimaschutz dürfte der Verzicht auf die Ladekabel nützen, weil weniger davon produziert werden. Sollten Apple und Samsung ihre Ankündigung in die Tat umsetzen, folgen sie dem Beispiel von Fairphone, das schon länger auf jegliches Zubehör verzichtet und den Käuferinnen und Käufern mitteilt: "Verwende einfach das Zubehör, das du schon besitzt, und hilf dabei, Elektromüll zu reduzieren."

"Ich habe in meinem Elektro-Giftschrank auch noch einige Boxen voller alter Aufladegeräte und Adapter, die einfach überflüssig sind. Für mein derzeitiges iPhone 10 habe ich glaube ich drei passende Ladekabel."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Welche Motivation Samsung und Apple wirklich verfolgen, könnte sich in der Zukunft zeigen – zum Beispiel daran, wie aktiv und zu welchem Preis die Hersteller Ladezubehör bewerben. Je nachdem könnte der Eindruck entstehen, dass sie das Zubehör in erster Linie deshalb separat vertreiben möchten, um daran mehr als bisher zu verdienen.

Lightning vs. USB-C

Eine weitere wichtige Frage bei den Ladekabeln ist der verwendete Standard. Während die meisten neueren Android-Geräte auf USB-C setzen, verbaut Apple in den neuen iPhones immer noch den eigenen Lightning-Anschluss (die beiden sind optisch kaum voneinander zu unterscheiden). Würden die Pläne der Europäischen Kommission eines einheitliche Ladesteckers umgesetzt werden, müsste wohl vor allem Apple umplanen und auf USB-C setzen.

Apple will das nicht und argumentiert: Weil man bereits eine Milliarde Apple-Geräte mit dem eigenen Lightning-Anschluss verkauft habe, würde eine Standardisierung die vielen Ladegeräte zu Elektroschrott machen, weil sie für neue Geräte nicht mehr verwendbar wären. Andererseits: Würden auch iPhones mit USB-C-Ladekabeln geladen werden können, könnten zum Beispiel in Haushalten mit Android- und Apple-Geräten auf manche Ladekabel verzichtet werden.

Ladestecker fürs Smartphone
© Unsplash | Lucian Alexe

Welche Vorgehensweise aus Sicht der Geräte-Sparsamkeit die bessere ist, ist schwierig zu sagen. Würden langfristig die Smartphones und Tablets weiterhin mit Kabeln geladen, erscheint eine Vereinheitlichung durchaus sinnvoll.

Andererseits könnten Handys der Zukunft womöglich komplett ohne Kabel auskommen und kabellos geladen werden – diese Funktion gibt es ja auch schon. Würde das kabellose Laden (bald) zum Standard, könnte der Umstieg von Lightning auf USB-C überflüssig erscheinen.