Spitz mal deine Ohren! Das ist immer leichter gesagt als getan. Doch Forschende haben nun herausgefunden, dass wir tatsächlich unsere Ohren spitzen, wenn wir uns beispielsweise auf eine Geräuschquelle konzentrieren. Erkennen kann man das mit dem bloßen Auge aber nicht.

Manche von uns können es, manche nicht: Mit den Ohren wackeln. Das kommt ganz darauf an, wie ausgeprägt die Muskeln um die Ohren noch sind. Diese Muskeln sind nämlich nur noch die Überbleibsel unserer Vorfahren, die vor Millionen von Jahren wohl ähnlich bewegliche Ohren hatten wie viele Primaten und auch Hunde oder Katzen heute noch haben, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Aglaia Dane.

Externer Inhalt

Hier geht es zu einem externen Inhalt eines Anbieters wie Twitter, Facebook, Instagram o.ä. Wenn Ihr diesen Inhalt ladet, werden personenbezogene Daten an diese Plattform und eventuell weitere Dritte übertragen. Mehr Informationen findet Ihr in unseren  Datenschutzbestimmungen.

Diese Fähigkeit half unseren Vorfahren, genau zu hören, woher ein Geräusch und damit eine potentielle Gefahr kam. Irgendwann wurde diese Fähigkeit jedoch überflüssig und unsere Ohren über die Jahre hinweg immer unbeweglicher.

Dennoch: Die Verbindungen, die wir dafür gebraucht haben, hat unser Gehirn immer noch gespeichert und sie springen heute noch – wenn auch in minimalistischer Form – auf Geräusche an. Das haben Forschenden der Universität des Saarlandes in einer Studie herausgefunden und im Fachmagazin Elife veröffentlicht.

Winzige Reaktionen erkennbar

Die Forschenden haben sich die Muskeln um unser Ohr herum genauer angeschaut. Um die kleinen, sehr feinen Bewegungen zu registrieren, haben sie den Probanden um das Ohr Sensoren aufgeklebt, die die elektrische Aktivität der Muskeln registrieren sollten. Tatsächlich hatten die Teilnehmenden ihre Ohren unbewusst bei akustischen Reizen ganz leicht in die Richtung gedreht, aus der ein Geräusch kam.

"Die Probandinnen und Probanden haben unbewusst ihre Ohren ganz leicht bewegt, wenn es akustische Reize gab. Je nachdem, wo das Geräusch her kam, ging das Ohr leicht nach oben oder nach hinten."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Das galt für die Situationen, in denen Geräusche wie Verkehr oder Babygeschrei unvorbereitet kamen, aber auch für die Situationen, in denen die Probandinnen aktiv zuhören sollten. Ihnen wurden dafür zwei Podcasts gleichzeitig vorgespielt, konzentrieren sollten sie sich jedoch nur auf einen der beiden.

Mit dem bloßen Auge nicht erkennbar

Während der Versuche wurden die Ohren der Probanden gefilmt. Auf Slow-Motion-Videos wie diesem hier, die die Forschenden zusammen mit ihrer Studie veröffentlichten, können die winzigen Bewegungen der Ohren erkannt werden. Mit dem bloßen Auge sind sie allerdings kaum bis gar nicht zu erkennen. Die Ohren würden sich beim konzentrierten Hören sogar weniger bewegen, als wenn wir kauen oder lächeln, erklärt Aglaia Dane.

"Mit dem bloßem Augen kann man diese Bewegungen eigentlich nicht sehen: Die Ohren bewegen sich da noch weniger als wenn wir kauen oder lächeln."
Aglaia Dane, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Hilfreich für die Hörgeräte-Technik

Im Jahr 2020 hat das Ohrenspitzen für uns keinen wirklichen Zweck mehr. Die Forschenden sagen jedoch, dass die Erkenntnisse bei der Entwicklung von Hörgeräten hilfreich sein könnten. Denn wenn ein Hörgerät die leichten Muskelbewegungen registrieren könnte, könnte es beispielsweise die eingebauten Richtmikrofone, die in diese Richtung zeigen, verstärken.

So könnten die Betroffenen die Geräusche, die sie wahrnehmen wollen, stärker hören und die restlichen Störgeräusche könnten besser ausgeblendet werden. Bisher gibt es oft das Problem, dass Hörgeräte die Geräusche relativ unbalanciert an das Ohr weitergeben, erklärt Aglaia Dane.