Online um Geld zu zocken, soll bundesweit legal werden. Für eine Präventionsexpertin ist die geplante Obergrenze für das Spielbudget die falsche Botschaft. Sie kritisiert noch weitere Regelungen für Online-Glücksspiele.

Online-Glücksspiele wie Pokern, Online-Casinos oder Sportwetten sollen in Deutschland bundesweit legalisiert werden. Darauf haben sich die Bundesländer nach jahrelanger Debatte geeinigt. Nach Angaben der schleswig-holsteinischen Landesregierung vom 22. Januar haben sie sich auf einen Staatsvertrag geeinigt, der Onlineangebote wie Sportwetten, Poker und sogenannte Automatenspiele ab Juli 2021 bundesweit erlaubt. Eine neue Aufsichtsbehörde soll die Anbieter kontrollieren.

Die Behörde soll auch den Schutz von Suchtgefährdeten, Kindern und Jugendlichen überwachen. Derzeit sind Online-Glücksspiele nur in Schleswig-Holstein erlaubt. Das Land ist 2012 unter der damaligen Regierung aus CDU und FDP aus dem gemeinsamen Glücksspielstaatsvertrag ausgeschert und hat Online-Glücksspiele legalisiert.

Werbung erhöht das Risiko für Spielsucht

Ilona Füchtenschnieder leitet die Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht Nordrhein-Westfalen. Sie befürchtet, dass durch die bundesweite Legalisierung vermehrt Suchtprobleme auftreten werden. Großen Anteil daran wird ihrer Meinung nach die Werbung für Online-Glücksspiele haben.

Um der Spielsucht zu entgehen, rät Ilona Füchtenschnieder, erst gar nicht an Glücksspielen teilzunehmen und wenn, es nur selten zu tun und dabei nur wenig Geld einzusetzen

"Wenn man an Glücksspielen teilnimmt, sollte man das nicht oft tun und sollte nicht viel Geld einsetzen. Das ist die präventive Botschaft."
Ilona Füchtenschnieder, Leiterin der NRW-Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht

Die Bundesländer Schleswig Holstein und Hessen hätten sich besonders für die Legalisierung engagiert. Ilona Füchtenschnieder kritisiert die Einigung auf das Limit von monatlich 1000 Euro je Spielendem. Das sende von staatlicher Seite die Botschaft, es sei in Ordnung, so viel Geld im Monat zu verspielen. Dabei würden die Risiken durch Spielsucht wie Verschuldung, Suizidalität und Arbeitsplatzverlust nicht genug berücksichtigt. Dabei sollte Botschaft lauten: Wer spielt, sollte selten spielen und nur wenig Geld riskieren.

Warnungen – programmiert von den Anbietern

Sinnvoll findet die Spielsuchtexpertin hingegen eine Sperrdatei, wie sie im neuen Glückspielstaatsvertrag vorgesehen ist. Süchtige oder Gefährdete können sich sperren lassen, bevor sie überhaupt mit dem Spielen anfangen oder rückfällig werden.

Außerdem ist vorgesehen, dass automatisiert Warnungen bei potentiellen Suchtgefährdeten auf den Displays angezeigt werden. Allerdings werden die Warnungen von den Anbietern von Online-Glücksspiele programmiert, kritisiert Ilona Füchtenschnieder. Diese hätten sicherlich eigene Vorstellungen darüber, ab wann sie warnen.

Dabei ist die Regulierung der Glücksspielbranche in der Bevölkerung weithin akzeptiert, zeigt eine Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

"Es ist nicht so, dass es einen Aufschrei in der Bevölkerung gibt: Wir brauchen hier mehr zum Zocken. So ist es nicht."
Ilona Füchtenschnieder, Leiterin der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht Nordrhein-Westfalen