Wer kommt auf die absurde Idee, Christbaumkugeln mit Auschwitzmotiven zu verkaufen? Möglicherweise stecken Algorithmen dahinter, die beliebte Produkte mit oft verwendeten Stockfoto-Motiven paaren.

Ob die Christbaumkugeln mit den Auschwitzmotiven, die vor Kurzem im Netz für Empörung gesorgt haben und schnell vom Onlinehändler Amazon wieder aus dem Angebot herausgenommen wurden, mithilfe von Algorithmen hergestellt wurden, kann im Nachhinein nicht mit Sicherheit gesagt werden. Hannes Federrath, Professor für verteilte Systeme und IT-Sicherheit an der Uni Hamburg, kennt dieses Prinzip aber gut und hält es für wahrscheinlich.

"Wir kennen ja etwa aus dem Bereich der physischen Läden etwa solche Pop-up-Stores, die kurze Zeit Produkte anbieten. Und so was kann man sich eben auch übertragen ins Internet vorstellen."
Hannes Federrath, Professor für verteilte Systeme und IT-Sicherheit an der Uni Hamburg

Oft werden Produkte, die sehr speziell sind und nur kurzfristig angeboten werden, auf diese Weise produziert. In vielen Fällen gibt es die Gegenstände, die im Netz schon angeboten werden, nur virtuell. Die Anbieter wollen erst sehen, ob eine Nachfrage da ist, um nicht Sachen zu produzieren, auf denen sie dann hinterher sitzen bleiben.

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"Nach dem, was wir wissen, sitzen die in China. Auch das ist nicht ganz klar, denn es könnte ja auch durchaus denkbar sein, wenn es gezielte Angebote sind, die sich auf eine bestimmte Region konzentrieren, dass es da nur Zusammenarbeit mit chinesischen Firmen gibt."
Hannes Federrath, Professor für verteilte Systeme und IT-Sicherheit an der Uni Hamburg

Das Prinzip, nach dem die Algorithmen vorgehen, ist dabei äußerst simpel: Die Algorithmen durchsuchen das Netz nach zwei Dingen: Produkten, die häufig gekauft werden und Stock-Fotos aus öffentlich zugänglichen Fotodatenbanken, die häufig verwendet werden.

"Da die Maschinen heute nicht mehr großartig konfiguriert werden müssen, um solche Dinge herzustellen, gelingt es auch, die Dinge sehr schnell zu produzieren und dann eben auch individuell zu produzieren."
Hannes Federrath, Professor für verteilte Systeme und IT-Sicherheit an der Uni Hamburg

Beide Dinge kombiniert die Software dann nach reinem Zufallsprinzip miteinander. Das Ziel: Dabei sollen Produkte entstehen, die, der Maschinenlogik nach, sehr beliebt sind und sich besonders gut verkaufen. An einem Tag kommen so möglicherweise Tassen mit Katzenbabys zustande. An einem anderen Tag Christbaumkugeln mit Auschwitz-Motiven.

Wahrscheinlich von Algorithmen hergestellt: Christbaumkugeln mit Auschwitz-Motiven

Es ist nicht ganz auszuschließen, dass hinter den Christbaumkugeln mit Ausschwitzmotiven einzelne Personen stecken. Wahrscheinlicher ist, dass es Algorithmen sind, nimmt Hannes Federrath an. Für die Algorithmen sind natürlich auch Personen verantwortlich, die aber möglicherweise gar nicht kontrollieren, was ihre Software im Netz anbietet. Vielleicht fehlt ihnen auch der geschichtliche Hintergrund und sie verstehen daher nicht, dass das Produkt geschmacklos und ethisch fragwürdig sein könnte, glaubt der Professor für IT-Sicherheit von der Uni Hamburg.

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"Ich vermute, dass die Anbieter dieser Produkte überhaupt nicht wussten, was sie da anbieten."
Hannes Federrath, Professor für verteilte Systeme und IT-Sicherheit an der Uni Hamburg

Möglicherweise liegt das Hauptproblem nicht darin, dass solche geschmacklosen Produkte Zufallsprodukte von Algorithmen sind. Vielmehr decken sie eine Mentalität auf, die in unserer Gesellschaft inzwischen zur Normalität geworden ist: Alles, was sich vermarkten lässt, auch Bilder des ehemaligen Konzentrationslagers in Auschwitz, wird inzwischen so stark vermarktet, dass Algorithmen automatisch errechnen, dass sich damit Geld verdienen lässt.