In Russland ist die Sorge groß: Durch das Online-Spiel "Blue Whale Challenge", sollen sich über hundert Jugendliche das Leben genommen haben. Aber so einfach lässt sich die Geschichte nicht erzählen. 

Die Challenges: Stehe nachts um 4:20 Uhr auf und schaue ein Horror-Video. Ritze ein Muster in deinen Arm. Steige auf ein Hochhausdach. 50 Challenges sollen die Jugendlichen erfüllen. In der letzten heißt es: bringe dich um. Die Anweisungen dazu liefen bisher über Gruppen in Vkontakte, das russische Facebook, und andere soziale Medien.

Wie die "Ice Bucket Challenge" - nur extrem gefährlich

Die "Blue Whale Challenge" ist also kein klassisches Online-Spiel. Sogenannte Kuratoren begleiten die Jugendlichen über die 50 Tage und Challenges. Das kann aber auch heißen, dass sie die Teilnehmer manipulieren. Ein Kurator sitzt deshalb nun in russischer Untersuchungshaft. 

Ist die Challenge schuld an vielen Selbstmorden?

Deutschlandfunk Nova-Reporterin Charlotte Maihoff berichtet, dass teilweise auch bezweifelt wurde, dass dieses Spiel überhaupt existiere. Seit über einem Jahr ist "Blue Whale Challenge" aber ein großes Thema in der Öffentlichkeit. Charlotte hat in Russland mit Eltern gesprochen, die fest davon überzeugt sind, dass ihr Kind in dem Spiel so manipuliert wurde, dass es sich umgebracht hat. 

"Das Thema ist so groß, dass die Duma in der letzten Woche ein genau auf diese Fälle zugeschnittenes Gesetz verabschiedet hat, das es leichter machen soll, die Macher zu bestrafen."
Charlotte Maihoff, Deutschlandfunk Nova

Charlotte ist skeptisch, ob allein eine Online-Challenge junge Menschen in den Tod führen kann. Sie vermutet, dass möglicherweise auch andere Faktoren ausschlaggebend sein könnten. Die Jugendpsychologin Olga Machowskaja aus Moskau glaubt nicht daran, dass sich wirklich so viele junge Menschen nur wegen eines Spiels umgebracht haben. 

"Die Panik wegen der Gruppen "Der blaue Wal" halte ich für übertrieben. Die Gesellschaft ist interessiert daran, den Schuldigen im Netz zu finden und so eine Verantwortung von sich abzulenken."
Olga Machowskaja, Jugendpsychologin

Für sie ist klar: Der eigentliche Grund für einen Suizid sind immer mehrere Probleme. Eine unglückliche Situation in der Familie oder sonstige soziale Schwierigkeiten. Es ist auch ein Netz-Phänomen geworden, sagt Charlotte, aber auch als Romanvorlage dient oder sich in einen Songtext wiederfindet. Manche Gruppen aber teilen einfach nur unter #bluewhalechallenge Grusel- und Ekelbilder oder Sprüche über die Traurigkeit des Lebens. 

"Menschen mit suizidaler Neigung, in Lebenskrisen suchen nach Seiten im Netz, die sich mit dem Thema beschäftigen. Nun finden sie auch dieses Spiel aus dem ein sehr ungesunder Hype geworden ist."
Charlotte Maihoff, Deutschlandfunk Nova