Der Online-Riese Amazon besetzt schon fast jede Konsumsparte. Nun will der Onlinehändler offenbar auch in den Ticketmarkt in den USA eingreifen. 

Die Wirtschaftspresse ist heute voll mit dieser Meldung: Amazon will angeblich groß in den Ticketmarkt einsteigen. Zunächst in den USA, dann könnte es auch in Deutschland soweit sein. Amazon selbst, sagt Jörg Brunsmann, Wirtschaftsjournalist bei Deutschlandfunk-Nova, schweigt erstmal zu den Gerüchten: "Das ist fast bei allen HighTech-Firmen so: Je mehr sie im Internet offen sind, desto verschwiegener sind sie in der Firmenpolitik." 

Aus der Luft gegriffen sind die aktuellen Meldungen aber dennoch nicht. Denn in Großbritannien verkauft Amazon schon Konzert- und Eventtickets. Und das ziemlich erfolgreich, sagt Jörg Brunsmann.

Es wird eng auf dem Markt

Und im Konzertmarkt steckt finanziell tatsächlich Musik. Beispiel USA: "Da gab es 2013 bei einem Anbieter 15.000 Konzerte, heute organisiert er etwa 17.000 Konzerte", sagt Jörg Brunsmann. Und wie viel Geld allein mit Konzert-Tickets umgesetzt werden kann, zeigt das Beispiel der Rolling Stones. Ein Besuch bei den Uralt-Rockern, die immer wieder ihre letzte Tour ankündigen, kann regulär 500 bis 800 Euro kosten.

"Der Plan ist absolut nachvollziehbar. Der Markt wächst. Die Musikverkäufe sind weggebrochen und immer mehr Musiker wollen ihr Geld mit Konzerten verdienen."
Jörg Brunsmann, Wirtschaftsjournalist bei Deutschlandfunk-Nova

Oder die Veranstalter setzen wie bei Taylor Swift, die weltweit locker Stadien füllt, auf die schiere Masse an verkauften Tickets. 2015 hat sie auf ihrer Tour zwei Millionen Tickets verkauft, rechnet Jörg Brunsmann vor. Bei solchen Zahlen stellt sich die Frage: Warum ist Amazon nicht schon früher in das Geschäft eingestiegen? Vielleicht auch, weil die Konkurrenz nicht untätig ist.

Mehr als nur Tickets

Sollte Amazon sein Vorhaben in den USA und europäischen Ländern durchziehen, kommt das einer Kampfansage an die Konkurrenz gleich. In Europa ist etwa Eventim Marktführer, in den USA beherrscht Live Nation Entertainment den Markt. Aber die originären Ticket-Unternehmen sind bereits einen Schritt weiter, berichtet Jörg Brunsmann. 

"Sie haben ein komplettes Geschäftsmodell um diese Tickets gebaut," sagt der Wirtschaftsjournalist. So wirkt Eventim etwa auch als Betreiber diverser großer Konzerthallen. Live Nation Entertainment bindet zudem Künstler exklusiv und mit langen Laufzeiten an sich.

"Es passt zur Taktik von Amazon. Sie haben bisher alle Gewinne wieder ins Geschäft investiert."
Jörg Brunsmann, Wirtschaftsjournalist bei Deutschlandfunk-Nova

Insofern wird auch Amazon sich nicht mit dem alleinigen Ticketverkauf begnügen, prognostiziert Wirtschaftsexperte Jörg Brunsmann. Erste Gespräche mit Betreibern großer Konzerthallen soll es schon gegeben haben. Und auch der Exklusivitätsgedanke würde sich gut in das Angebot von Amazon einfügen: Schließlich ließe sich die Verpflichtung einzelner Künstler über Merchandising, Musik- und Film-Streaming ausdehnen.