Heiligabend vor 115 Jahren schenkt der Niederlausitzer Bergwerksbesitzer und Kaufmann Adolf Rechenberg seinem "treuen Weib" Anna eine geheimnisvolle Sprechmaschine. Dabei handelt es sich um eine "Vorfahrin" unseres Smartphones.

Rechenberg weiß nur nicht, wie er damit umgehen soll. Für die Benutzung der Wachsplatte und des Mundstücks sind ihm noch keine Medientechniken bekannt. Und deshalb mutet uns das recht seltsam an, was der Hörsaal aus dem Jahr 1899 präsentiert.

"Stimmexzesse"

Mit Rechenbergs militärisch gebrüllter Weihnachtsansprache an seine eigene Familie und seiner deplatzierten Unterschrift auf das Tondokument befasst sich die Theaterwissenschaftlerin Doris Kolesch von der Freien Universität Berlin. Sie hat auf der Jahrestagung des Zentrums für Literatur- und Kulturforschung gesprochen, die vom 13. bis 15. November 2014 in Berlin stattfand. Ihr Thema: "Stimmexzesse".

"Es ist meines Wissens noch längst nicht ausreichend untersucht, welche kulturellen und gesellschaftlichen Auswirkungen es mit sich bringt, dass wir eigene wie fremde Stimmen aufzeichnen können, dass wir die Stimmen von Toten konservieren und anhören können."

In dem Vortrag "Atmung, Stimme und Dialog. Aus dem Labor der Sprachwissenschaft" geht es um den Zusammenhang zwischen Atmung und Stimme. Dr. Susanne Fuchs vom Zentrum für Allgemeine Sprachwissenschaft erklärt, wie sich unsere Atmung mit der eines Partners angleicht, mit dem wir im Dialog stehen - und wie wir atmen, wenn wir mal einen Vortrag halten.

"Wir haben in eigenen Studien nachgewiesen, dass die Satzlänge mit der Einatmunsgstiefe korreliert, das heißt, wenn Sie einen langen Satz produzieren wollen, atmen Sie vorher tiefer ein. Wenn Sie einen kürzeren Satz produzieren wollen, ist die Einatmungstiefe geringer."