China diskreditiert die Proteste in Hongkong mit manipuliertem Content. Zwar löschen die Online-Unternehmen fleißig, ihre Intransparenz bleibt aber problematisch, sagt der Medienjournalist Dennis Horn.

Youtube hat ein Netzwerk von 210 Kanälen mit Bezügen zu den Bürgerprotesten in Hongkong gelöscht. Der Konzern gibt an, damit gegen koordinierte Beeinflussungsversuche vorzugehen, die das Unternehmen in einem Blogeintrag indirekt China zuschreibt. Wir haben mit Dennis Horn über die Löschpraxis der großen Online-Plattformen und ihre mediale Macht gesprochen.

Zuvor hatten Facebook und Twitter ähnliche Maßnahmen ergriffen. Twitter hatte am 19. August bekannt gegeben, gut 900 Accounts gesperrt und ein größeres, spam-artiges Netzwerk von 200.000 Accounts vor der Aktivierung abgeschaltet zu haben.

"Bei Twitter war die Dimension auch wesentlich größer als bei Youtube. Da wurden knapp 1000 Accounts gelöscht und 200.000 weitere, bevor die aktiv werden konnten."
Dennis Horn, Medienjournalist

Facebook hat angegeben, sieben Seiten, drei Gruppen und fünf Facebookaccounts entfernt zu haben. Sie hätten sich mit Hongkong befasst und seien von China aus betrieben worden. Die Löschungen gingen auf einen Tip von Twitter zurück.

Facebook und Twitter brachten Beispiele für Posts von den gesperrten Accounts, die Demonstranten in Hongkong als gewalttätig gezeigt haben. Die Beispiele sind besonders bei Facebook teils drastisch und gehen bis hin zur Montage von Küchenschaben auf die Körper der Protestierenden.

Youtube – keine Beispiele für gesperrten Content

Youtube hat bisher keine Beispiele für den gesperrten Content geliefert. Der Medienjournalist sagt, Google, Facebook und Co wollten unbedingt vermeiden als Medienunternehmen wahrgenommen zu werden. Sie beharren darauf, nur Plattformen zu sein. Dennis Horn versteht sie allerdings eher als eine gesellschaftliche Infrastruktur in privatem Besitz.

"Die Plattformen haben Gemeinschaftsstandards und sie haben Löschzentren also Büros in denen Menschen Inhalte prüfen."
Dennis Horn, Medienjournalist

Zwar haben die Unternehmen eine Art digitales Hausrecht und behalten sich das Löschen und Sperren von Content und Usern vor. Ihr Vorgehen ist allerdings geprägt von größtmöglicher Intransparenz, um keine Regeln erkennen und rechtliche Regulierungsansätze in die Leere laufen zu lassen. Facebook, sagt Dennis Horn, habe sehr klare Löschregeln. Diese würden aber nur intern kommuniziert. 2018 gab es allerdings einen Leak dieser Regeln. Sie wurden teilweise hier publiziert.

Dennis Horn weist weiter darauf hin, dass Facebook zwar an einer Art Plattformrat arbeitet, aber auch hier Intransparenz zu befürchten sei, was dessen Funktion, Besetzung und Ausrichtung betrifft. Auch deswegen und wegen des Datenschutzes und Ansätzen von Monopolbildung halten die Regulierungsbestrebungen den großen Online-Konzernen gegenüber in den USA und in der EU an.