Die gemeinnützige Domainendung .org soll an einen privaten Investor verkauft werden. Viele befürchten das Ende des am Gemeinwohl orientierten Internets.

Leo.org, wikipedia. org, un.org – so gut wie alle gemeinnützigen Webseiten enden auf .org. Bisher war die Domainendung in der Hand der gemeinnützigen Organisation Internet Society. Diese will .org jedoch verkaufen, um sich den Verwaltungsaufwand zu sparen und Geld für neue Projekte zu haben. Der private Investor Ehtos Capital plante, sich die nun die Kontrolle über die Endung für eine Million Dollar zu kaufen. Das ruft prominente Aktivisten auf den Plan. Sie wollen .org retten.

Domainendung könnte viel Geld einbringen

Da .org hauptsächlich von gemeinnützigen Organisationen wie den Vereinten Nationen oder Wikipedia genutzt wird, lagen die Gebühren bisher bei 10 bis 20 Dollar pro Jahr. Zudem war eine Erhöhung um maximal 10 Prozent erlaubt. Diese Regel wurde nun aber aufgehoben. Rund 10,5 Millionen Seiten nutzen zur Zeit die Endung .org. Ein privater Investor könne also mit der Endung sehr viel Geld verdien, erklärt Deutschlandfunknova-Reporter Timo Nicolas.

Kleine Vereine am meisten getroffen

Am meisten treffe das die kleinen Vereine und NGO, die sich starke Preissteigerungen nicht leisten können, erklärt Markus Beckedahl. Er ist Gründer von Netzpolitik.org und wäre direkt von dem Verkauf der Domain betroffen.

Viel Kritik am geplanten Verkauf

Die Kritik für den geplanten Verkauf ließ nicht lange auf sich warten. Auch World-Wide-Web-Erfinder Tim Berners-Lee protestierte dagegen. Mehrere berühmte Aktivisten- und Aktivistinnen haben sich zu einer Genossenschaft zusammengeschlossen, um den Verkauf zu stoppen und .org in Zukunft sogar selbst zu verwalten. Für Markus Beckedahl wäre das die bessere Lösung.

"Das finde ich die bessere Alternative als einem dubiosen Hedgefonds die Verwaltung dieser Domain-Struktur zu geben."
Markus Beckedahl, Gründer von Netzpolitik.org

Dafür muss die Genossenschaft aber erst einmal die Icann, das Kontrollorgan für die Top-Level-Domains weltweit, überzeugen, den Verkauf über die Kontrolle von .org zu stoppen. Die hat als "Einwohnermeldeamt des Internets" das letzte Wort, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Timo Nicolas.

Der Kampf um das gemeinnützige Internet

Bei der Diskussion geht aber um mehr als Geld. Unser Reporter Timo Nicolas bezeichnet .org " als einen der letzten nicht-kommerziellen Flecken des Internets." Es geht also auch darum, den ursprünglich gemeinnützigen Gedanken des Internets zu erhalten.

"Es geht darum, ob wir noch einen Teil des Internets gemeinwohlorientiert verwaltet haben wollen oder, ob wir alles kapitalistischen Verwertungsstrukturen unterwerfen wollen."
Markus Beckedahl, Gründer von Netzpolitik.org

Die Debatte, ob .org verkauft werden soll, steht also sinnbildlich für den Kampf zwischen dem alten gemeinnützigen Netz und dem modernen Netz, in dem vor allem Unternehmen den Ton angeben, erklärt Timo Nicolas. Ob die Kooperative wirklich erfolgreich sein wird, das liege jetzt in der Hand der Icann.