Ränghuisen neben Rödinghausen, Deppelt neben Detmold, Mönster neben Münster. Auf Ortsschildern in Nordrhein-Westfalen könnte bald auch der plattdeutsche Namen des Ortes stehen. So sieht das zumindest ein gemeinsamer Antrag der Landtagsfraktionen von CDU und FDP vor. Nun soll der Düsseldorfer Landtag über die  Zulassung beraten.

In Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind die „zweisprachigen“ Ortsschilder bereits zugelassen. Laut der Neuen Westfälischen Zeitung haben allein in Niedersachsen bisher 60 Kommunen solche zweisprachigen Ortsschilder aufgestellt. Viele Ortsnamen verändern sich auf platt deutlich, weiß Reinhard Goltz, Leiter des Instituts für Niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen.

"Aus Agathenburg wird Gothenborg, aus Ahlerstedt wird Ohlers. Im Dreieck zwischen Elbe und Weser enden viele Ortsnamen auf -stedt. Im Plattdeutschen fällt diese Endung weg."

Manche Namen bleiben aber auch gleich: Hamm zum Beispiel.

Auf der Webseite des INS könnt ihr euren Ortsnamen auf einer Karte eingeben und bekommt dann seine plattdeutsche Bezeichnung ausgespuckt.

Und warum das alles?

Rund acht Millionen Menschen in Deutschland beherrschen die niederdeutsche Sprache, argumentieren die Antragsteller. Die plattdeutschen Ortsnamen würden deutlich zur Verbundenheit der Menschen mit ihrer Region beitragen – sie seien ein Stück Identität.

Kritiker fragen dagegen: Welches Kind spricht denn heute bitte noch Platt?

"Eine Umfrage, die wir vor einem Jahr gemacht haben, zeigt, dass der Niedergang des Niederdeutschen zumindest aufgehalten worden ist."
Reinhard Goltz, Leiter des Instituts für Niederdeutsche Sprache (INS) in Bremen

Die Zahlen seien in den vergangenen zehn Jahren nicht weiter rückläufig, so Goltz. Bei jungen Menschen sei sogar ein Trend zum Platt zu erkennen. Sie fragten sich, warum sie die Sprache der Eltern und Großeltern nicht mehr könnten.

Die Initiative für die Ortsschilder geht von der neuen NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach (CDU) aus. Außerdem setzt sich die Fachstelle für Niederdeutsch im Westfälischen Heimatbund dafür ein – und verweist auf die Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

Bisher wegen Sicherheitsbedenken abgelehnt

Vor knapp zehn Jahren hatte der heutige NRW-Finanzminister und damalige Verkehrsminister Lutz Lienenkämper (CDU) den Wunsch der Gemeinde Rödinghausen noch abgelehnt, auch "Ränghuisen" auf ihr gelbes Ortsschild schreiben zu dürfen. Die Begründung damals: Solche Schilder seien für Autofahrer schwerer zu lesen, außerdem könnten dadurch mehr Unfälle passieren.

Zahlen müssten die neuen Schilder die Kommunen selbst. Die Neue Osnabrücker Zeitung hat mit einem Bauamtsleiter gesprochen. Eine Ergänzung mit dem plattdeutschen Ortsnamen kostet pro Schild gut 250 Euro, sagt der.

"Am Mittwoch wird erst mal nur beraten und noch nichts entschieden – der Antrag muss dann erst noch an einen Ausschuss überwiesen werden."
Anna Kohn, Deutschlandfunk Nova