"Blade Runner 2049" spielt in einer düsteren Zukunft. Und damit das auf der Leinwand richtig gut rüberkommt, braucht es neben Stars wie Ryan Gosling noch einen anderen Mann – Gerd Nefzer aus Schwäbisch-Hall. Er ist für die Visual Effects zuständig und hat dafür gerade einen Oscar bekommen. Wir haben mit ihm gesprochen.

"Blade Runner 2049" ist ein besonderer Film. Für die Fortsetzung des Science-Fiction-Klassikers Blade Runner gelten natürlich ganz besondere Erwartungen. Und darum wollten Regisseur und Kameramann Roger Deakins auch bei Atmosphäre und Wetter nichts dem Zufall überlassen wollten. Und da kommt Gerd Nefzer ins Spiel. Er ist der Mann, der dafür sorgt, dass in der einen Einstellung ein heftiger Starkregen herunterprasselt und in einer anderen Szene Sprühregen sanft durchs Bild rieselt. 

"Das ging von ganz ganz leichtem Sprühregen bis zu mittlerem Regen und dann auch Starkregen und Sturm - bei diesem Film war alles vertreten."
Gerd Nefzer, Oscarpreisträger für Visual Effects

Oscar für Visual Effects

Eine Arbeit, die sich gelohnt hat. In der Nacht auf Montag wurde Gerd Nefzer für seine Arbeit an Blade Runner 2049 mit dem Oscar ausgezeichnet - für die besten Visual Effects. Auch in paar Tage später ist Gerd Nefzer noch völlig überwältigt über alle, die in Deutschland mitgefiebert und ihm gratuliert haben. Und so langsam begreift er auch, was ihm da passiert ist. 

Seinen Oscar lässt er seitdem nicht mehr aus den Augen. In der Nacht vor unserem Gespräch musste er allerdings auf den goldenen Kerl verzichten. Weil der Oscar bei seinem Set-Supervisor Bernd Rautenberg übernachten durfte, der einen großen Anteil am Erfolg gehabt habe. Und so geht es weiter, denn auch andere Kollegen sollen ihre Zeit mit dem Preis bekommen – allen voran deren Kinder. Denn die hätten mit ihren Eltern ein halbes Jahr in Budapest verbringen müssen, wo der Film gedreht wurde.  

Landwirt erobert die Leinwand

Der Weg zum Oscar war für Gerd Nefzer nicht vorgezeichnet. Studiert hat er Agrarwissenschaften und auch einige Zeit als Landwirt gearbeitet. Erfahrungen, von denen er noch heute profitiert, wenn er dafür sorgen soll, dass Wetter auf der Leinwand realistisch aussieht. Schließlich hat er lange genug unter freiem Himmel gearbeitet. Außerdem brächten Landwirte noch andere Eigenschaften mit, die am Filmset nützlich sind: Sie sind handwerklich geschickt und können mit Holz und Metall umgehen - und wer heute in der Landwirtschaft arbeitet, kennt sich auch mit Chemie aus. Und zu all dem kommt: Gerd Nefzer hat auf dem Feld und im Stall gelernt, viele Stunden am Tag hart zu arbeiten. 

Echter Nebel - das kann Gerd Nefzer

Bei seiner Arbeit hat Gerd Nefzer eine ganz besonderes Spezialität: Er erzeugt Nebel, ohne auf Special Effects aus dem Computer zurückzugreifen. Gerd Nefzer gibt zu: Digitaltechnik wird immer besser. Trotzdem verlässt er sich beim Thema Tropfen nicht auf Nullen und Einsen. Denn wenn Tropfen auf die Haut, auf die Straße oder auf Gegenstände treffen, die in Großaufnahme zu sehen sind, kann er den Unterschied ausmachen, ob sich ein Tropfen wirklich beim Aufschlag zerteilt oder nur die Pixel purzeln.   

Richard R. Hoover, Paul Lampert, Gerd Nefzer und John Nelson mit ihren Oscars für die besten visuellen Effekte bei Blade Runner 2049.
© Imago | Agencia EFE
Stolze Gewinner - Gerd Nefzer (Dritter von links) mit seinen Kollegen Richard R. Hoover, Paul Lampert und John Nelson

Deutsche Produktionsfirmen können oft nicht mithalten

Während Deutschland vor der Kamera bei Regisseuren und Schauspielern immer noch schwach vertreten ist, sieht die Sache bei den Special Effects schon anders aus. Die Drachen aus der Erfolgsserie "Game of Thrones" erweckt zum Beispiel eine Stuttgarter Firma zum Leben. Grundsätzlich sind bei einem großen Film oft mehrere Firmen beteiligt, die sich um die visuellen Effekte kümmern  - und einige kommen auch aus Deutschland, erzählt Gerd Nefzer. Mit den Schwergewichten der Branche könnten deutsche Firmen aber oft nicht mithalten – einfach weil bei uns zu wenige Blockbuster gedreht werden. 

"Es wird so viel deutsches Geld nach Hollywood gegeben, um Filme zu produzieren - ich wünsche mir wirklich, dass ein bisschen was in Deutschland bleibt und man hier etwas riskiert und junge Regisseure fördert - das muss besser werden."
Gerd Nefzer, Oscarpreisträger für Visual Effects

Sorgen bereitet dem Oscargewinner die Filmförderung. Die sei in Deutschland ein bisschen eingeschlafen. Gerade in den vergangenen Monaten, in denen es keine Regierung gab. Dagegen geben sich in London dank Filmförderung große Regisseure und Filmfirmen die Klinke in die Hand, sagt Gerd Nefzer. Und darum werden eben dort Star-Wars-Teile und Marvel-Comic-Adaptionen gedreht und nicht bei uns. Was bei Debatten um Filmförderung oft vergessen werde: Eine große Filmproduktionsfirma bringt Geld ins Land und schafft viele Arbeitsplätze, sagt Gerd Nefzer.

"Es gab kein Goodie-Bag."
Gerd Nefzer, Oscarpreisträger für Visual Effects

Mit einem großen Mythos räumt Gerd Nefzer am Ende unseres Gespräches noch auf: Ein Oscar-Goodie-Bag gab es für ihn nicht. Für den Preisträger für die besten Visual Effects sei noch nicht einmal eine Flasche Champagner drin gewesen. Immerhin war das Essen vorzüglich. Aber auch da gab es ein Problem, sagt Gerd Nefzer, der sich als guten Esser bezeichnet: "Ich war so nervös, ich habe an dem Abend kaum etwas runtergekriegt."