Oslo drängt die Autos aus der Stadt - und das gar nicht nur aus Umweltgründen, sondern um die Stadt lebenswerter zu machen. Es könnte ein Beispiel sein, das Schule machen wird.

Dass Autos in unseren Innenstädten nichts zu suchen haben sollten, fordern Umweltschützer immer wieder. Die Deutsche Umwelthilfe versucht etwa, die Innenstädte mit Fahrverboten für bestimmte Fahrzeuge sauberer zu bekommen.

In Oslo, einer Stadt mit einer Million Einwohner, ist das Ganze schon Gang und Gäbe. 2015 war dort eine rot-grüne Stadtregierung an die Macht gekommen, berichtet Carsten Schmiester, unser Korrespondent für Norwegen. Sie hatte damals angekündigt, die Autos bis 2019 aus dem engsten Stadtzentrum – einer Fläche von rund zwei Quadratkilometern – zu verbannen.

Stadt soll menschlicher werden

In den vergangenen vier Jahren hat die Hauptstadt des Königreichs Norwegen ihr Vorhaben mit aller Entschlossenheit umgesetzt. Oslo hat mehr Platz für seine Bewohnerinnen und Bewohner geschaffen – und immer weniger Platz für den Individualverkehr.

"Den Autos wurden um die 700 Parkplätze weggenommen."
Carsten Schmiester, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent für Norwegen

Da, wo früher Parkplätze waren, gibt es jetzt Fahrradwege, Sitzecken und Grünflächen. Um die Mobilität der Osloer im Innenstadtbereich weiterhin zu gewährleisten, wurde der öffentliche Nahverkehr ausgebaut und es gibt immer mehr Bike-Sharing-Dienste – und natürlich E-Roller.

Nicht alle jubeln

Von den Bewohnern Oslos sind – nur – etwas mehr als die Hälfte der Menschen für das Maßnahmenpaket. Nicht wenige finden es also offensichtlich nicht so toll, das Auto stehen lassen zu müssen. Die Stadt zeigt sich aber gesprächsbereit und hat inzwischen zum Beispiel Ausnahmeregelungen für den Lieferverkehr zugelassen.

"Die Stadt will die CO2-Emissionen bis 2030 – verglichen mit 1990 – um 95 Prozent senken."
Carsten Schmiester, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent für Norwegen

Bei ihrem großen Ziel, die Emissionen bis 2030 drastisch zu senken, sei die Stadt auf einem guten Weg, sagt Carsten Schmiester: So gebe es etwa sehr viele Elektrofahrzeuge, viele Häuser mit Fernwärme und immer mehr auch intelligente grüne Architektur, also Häuser, die keine Emissionen mehr produzieren, sondern Energie.