Die Menschen in Malawi sind extrem abergläubisch. Sechs Menschen wurden bereits getötet, weil sie in traditionellen Ritualen Blut getrunken haben sollen.

In zwei Regionen im Süden Malawis kursiert seit einigen Wochen das Gerücht, Blutsauger seien dort unterwegs. Sie sollen angeblich ihren Opfern Blut absaugen und es für traditionelle Rituale benutzen, berichtet unser Korrespondent Jan-Philippe Schlüter.

"Die Menschen in Malawi sind extrem abergläubisch und haben gerade eine riesen Angst. Sie schlafen in großen Gruppen im Freien, aus Sorge, nachts alleine in den Häusern von Blutsaugern überfallen zu werden."
Jan-Philipp Schlüter, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent

Teilweise haben sie sich zu Selbstschutzgruppen zusammengetan und betreiben Selbstjustiz. Wer verdächtigt wird Blutsauger zu sein, wird umgebracht.  

Seit Mitte September sind sechs Menschen gesteinigt oder erschlagen worden. Ein geistig behinderter Mensch wurde umgebracht, weil er sich in den Augen der anderen Menschen seltsam verhielt, berichtet Jan-Philipp Schlüter. "Das hat den Leuten gereicht, um zu sagen, das ist auch ein Bloodsucker."

"Das Gerücht kommt wohl aus Mosambik, dem Nachbarland im Süden. Wie eine Urbanlegend hat es den Weg in den Norden nach Malawi geschafft."
Jan-Philipp Schlüter, Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent

In Mosambik gibt es auch den Aberglauben, dass Körperteile von Menschen die an Albinismus leiden - also schwarze Menschen, die durch Pigmentstörungen weiße Haut haben – Glück bringen. Ihre Körperteile werden abgetrennt und an traditionelle Heiler verkauft. 

Heiler haben einen großen Einfluss auf ihre Communities. Im Dialog mit ihnen wird schon seit über zehn Jahren vergeblich versucht gegen solche Morde vorzugehen. Laut Amnesty International sind in den letzten drei Jahren zwanzig Menschen mit dieser Pigmentstörung getötet worden. Außerdem sind Dutzende Leichen ausgegraben worden, um die Körperteile abzutrennen.

Aberglauben ist tief verwurzelt

Bereits 2003 wurden zwei angebliche Blutsauger in Malawi getötet, so Jan-Philipp Schlüter. Aber sechs Menschen in einem Monat hat es noch nicht gegeben. Das hat bei verschiedenen Hilfsorganisationen Sorgen ausgelöst. Die UNO, Ärzte ohne Grenzen und andere NGOs haben einen Teil ihrer Mitarbeiter vorübergehend aus der Region abgezogen. 

"Das ist ein großes Problem, weil das arme Malawi sehr auf die Hilfen angewiesen ist", so Schlüter weiter. Alle Minister in Malawi haben die Lynchmorde verurteilt. Der Präsident reist in den nächsten Tagen in die Region. Seine Botschaft: alles nur Aberglaube.