In Ruhe die Bauwerke von Antonio Gaudi in Barcelona betrachten oder sich Zeit für die Besichtigung des Anne-Frank Hauses in Amsterdam nehmen – schöne Vorstellung, aber schon lange nicht mehr möglich. Europas Innenstädte können die Touristenströme kaum mehr auffangen. Was tun?

Niemals war es so günstig zu fliegen, reisen kann sich heute jeder leisten. Immer mehr Touristen strömen in europäische Städte. Früher haben Städte um Touristen geworben. Heute wollen sie die Massen loswerden. Denn für manche sind es zu viele Touristen. Overtourism wirkt sich negativ für die Städte und ihre Bewohner aus.

Overtourism verändert auch das Reisen

Auch für die Touristen verändert sich die Reise. So konnte man beispielsweise 100 Jahre lang den Park Güell, entworfen vom berühmten Architekten Antonio Gaudí, umsonst besuchen.

Doch 5000 Touristen auf einmal in dem Park - zu viel für die Parkanlage. Jetzt dürfen nur noch 800 Besucher auf einmal die Sehenswürdigkeit besichtigen. Und das auch nur mit teurer Eintrittskarte.

In Rom ist es seit kurzem nicht mehr erlaubt, sich auf der spanischen Treppe hinzusetzen - zu viele Menschen würden sonst den Verkehr aufhalten.

Gründe für Overtourism

Doch wie kommt es zu so einer Masse an Touristen? Harald Pechlaner von der Universität Eichstätt sieht das günstige Fliegen nicht als alleinigen Grund.

"Die Attraktion bestimmter Reiseziele, aber auch der Kreuzfahrttourismus, kann zu Overtourism führen."
Harald Pechlaner, Universität Eichstätt

Dass ein bestimmter Trend zu Overtourism führen kann, das erlebte auch das österreichische Hallstadt. Das kleine Dorf mit rund 700 Einwohnern im Salzkammergut wurde im letzten Jahr auf einmal mit rund einer Million Touristen überschwemmt. Die sich ein idyllisches Bild vor der kleinen Kirche mit Blick auf den See wünschten.

Verteilen statt hohe Preise

Ein Zustand, den viele Städte nicht mehr dulden wollen. Weniger Touristen durch höhere Preise also? Keine gute Idee, findet Jürgen Schmude von der Universität in München. Reisen solle nicht nur Eliten vorbehalten sein, wie etwa noch im 19. Jahrhundert. Zurück ist also keine Lösung.

Um den Overtourism in Griff zu kriegen, sei es notwendig, die Touristenströme umzulenken. Werbung für sowieso schon sehr beliebte Orte müsse zurückgefahren werden und stattdessen unbekanntere Orte beworben werden, sagt Jürgen Schmude.

Mit Unkraut jäten gegen den Touristenstrom

Doch die Touristen müssen nicht nur auf verschiedene Reiseziele verteilt werden. Die meisten ballen sich in bestimmten Zentren eines Reiseziels und besichtigen dieselben Sehenswürdigkeiten. Auch in Amsterdam ist das ein großes Problem. 19 Millionen Menschen besuchen jährlich die Stadt, für das Jahr 2030 sollen es angeblich 30 Millionen werden. Und sie alle tummeln sich an den gleichen Orten: in Coffeeshops, im Rotlichtviertel oder beim Bier trinken an den Grachten.

Untourist Guide

Um die Touristen nun auch an andere Ecken der Stadt zu bringen und etwas anderes zu erleben als alle, gibt es seit kurzem den Untouristic Guide.

Dieser bietet das etwas andere Touristenprogramme an:

  • Zusammen Dosen aus den Krachten fischen
  • Skateboards aus alten Flaschenverschlüssen basteln
  • Für einen Tag einen echten Amsterdammer heiraten und machen, was ein Ehepaare eben so macht.

Unkraut im eigenen Garten jäten ist eine typische Tätigkeit Amsterdamer Paare. Das soll nicht nur für einen persönlicheren Kontakt sorgen, sondern auch dafür, dass Touristen sich nicht nur in der Innenstadt, sondern im ganzen Gebiet verteilt aufhalten.