Viele Walarten sind vom Aussterben bedroht. Gleichzeitig wissen wir verhältnismäßig wenig über die Tiere und über ihre Aufenthaltsorte in den Meeren. Das könnte nun mit vorhandenen Untersee-Glasfaserkabeln einfacher werden.

Auf dem Meeresgrund liegen Glasfaserkabel, die unsere Telefon- und Internetkommunikation zwischen den Kontinenten sichern. Die Glasfaserstränge sind in eine schützende Ummantelung aus Metall- und Kunststoffschichten eingepackt, insgesamt ist das Ganze etwas dicker als ein Gartenschlauch.

Ein Team rund um Lea Bouffaut von der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegen hat nun Schallwellen von Walgesängen über die Glasfaserkabel messen können. "Distributed acoustic sensing" ist der Name der Methode.

Auch Erdbeben lassen sich nachweisen

2019 hatten Wissenschaftler*innen bereits eine Methode vorgestellt, bei der mithilfe von Unterwasserkabeln Erdbeben entdeckt werden können. "Dabei werden Laserpulse in das Kabel geschickt", erklärt Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Michael Gessat.

"Weil die Glasfasern nicht perfekt sind, sondern bestimmte Verunreinigungen haben, kommen Streuungen zurück, die man messen kann." Diese Rückstreuungen verändern sich, wenn das Kabel gedehnt oder bewegt wird – zum Beispiel durch seismische Aktivität.

Erdbeben sind natürlich etwas anderes als Schallwellen eines Walgesangs. Insofern ist es überraschend, dass diese Methode auch für die schwächeren Erschütterungen geeignet ist.

Bisher wurden Wale mithilfe von Satellitenbildern gefunden oder über vereinzelte Unterwassermikrofone. Die langen Unterseekabel könnten eine vielversprechende Lösung sein, um mehr über die weit in den Ozeanen verteilten Meeressäuger zu erfahren.

"Das Tolle an der Methode ist, dass ein Kabelstrang sehr viele Messpunkte liefert – und so quasi Tausende Unterwasser-Mikrofone ersetzen kann."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Durch die Messungen erfährt man: Wo auf der Strecke ist eine Erschütterung wie stark. Laut den Forschenden kann man dadurch sogar die räumliche Position eines "singenden" Wals ermitteln.

Allerdings gibt es auch ein paar Haken, erklärt Michael Gessat: "Bei diesen Glasfaserkabeln sind typischerweise in gewissen Abständen Signalverstärker eingebaut, die die mit der Distanz schwächer werdenden Signale wieder aufpeppen. An diesen Verstärkern ist dann Schluss mit der Rückstreuungs-Messung." Die Methode klappt also vor allem bei stillgelegten Kabeln, über die keine anderen Signale weitergegeben werden.

Erdbeben-Messungen, die zunächst auch nur bei ungenutzten Kabeln möglich waren, funktionieren inzwischen allerdings auch bei Kabeln im Normalbetrieb – vielleicht gelingt das demnächst auch mit den Walgesängen ....