Für alle im Westen Deutschlands ist das ein bescheidener Sommer. Bei den Rehen und Rehböcke ist alles wie immer. Liebestoll jagen sie durch die Wälder und Parks - und enden dabei sehr häufig an der Stoßstange von Autos.

Ende Juli, Anfang August geht die Paarungszeit der Rehe zu Ende, erklärt Johannes Lang, Wildbiologe und Jäger, vom Institut für Tierökologie und Naturbildung im hessischen Laubach-Gonterskirchen. Das große Problem für die Tiere ist nicht der Paarungsakt an sich, sondern dazu den geeigneten Partner zu finden.

Dazu müsst ihr wissen: Bei Rehen herrscht Damenwahl. Die Ricke sucht sich ihren Partner aus. Und das muss jedes Jahr neu geklärt werden. Da sie nichts dem Zufall überlassen will, wird der Rehbock vorher ausgiebig getestet. Also rennen die beiden potenziellen Partner in hohem Tempo und sehr ausdauernd hintereinander her. Erst dann kommt der Rehbock zum Zug.

Immer der Nase nach

Rehe verlassen sich bei der Partnerwahl dabei vor allem auf ihre Nase. Der Grund: Die Tiere sind im Vergleich zu anderen Hirscharten eher klein und leben im Wald. Ein mächtiges Geweih würde hier nur stören und einen Partner spürt man im Unterholz auch nur mit exzellentem Geruchssinn auf. Auch darum sind zurzeit viele Rehböcke zu beobachten, die am Boden schnüffeln - und dann keine Augen mehr für Autos oder andere tödliche Hindernisse haben. Ein weiteres Problem: Auf der Suche nach Partnern sind Ricke und Bock viel mehr unterwegs als zu anderen Zeiten des Jahres.

"Wenn man das übersetzen will, hat bei den Rehen der Eigenheimbesitzer mehr Chancen als der, der noch in der WG irgendwo in der Gegend gammelt."
Johannes Lang, Wildbiologe und Jäger, vom Institut für Tierökologie und Naturbildung in Laubach-Gonterskirchen

Hat eine Ricke im Vorjahr gute Erfahrungen mit einem Bock gemacht, setzt sie alles daran den Partner der Wahl wieder aufzuspüren. Dafür lässt sie auch ihre Kitze für einige Tage allein. Besonders erfolgreich sind übrigens Böcke, die ein eigenes Revier vorweisen können.