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Die Taliban in Afghanistan würde es ohne den Einfluss Pakistans so nicht geben. Dabei spielt auch das Schulsystem in Pakistan eine große Rolle.

Dass in Zukunft Afghanistan von den Taliban regiert wird oder diese zumindest eine sehr große Rolle spielen, gilt als so gut wie sicher. Noch aber ist nicht genau klar, was das für die Zivilbevölkerung konkret bedeuten könnte.

"Noch ist es zu früh, das richtig einzuschätzen", sagt Marc Thörner, Journalist und Sachbuchautor mit dem Schwerpunkt Afghanistan. Er hat sich auch schon persönlich mit Vertretern der Taliban getroffen.

"Zurzeit wollen die Taliban eine gute Fassade aufbauen, um den Einfluss aus dem Ausland möglichst zu verhindern."
Marc Thörner, Journalist und Sachbuchautor mit Schwerpunkt Afghanistan

Ein Problem, abzuschätzen, welche Interessen die Taliban verfolgen, ist die Schwierigkeit, die Taliban überhaupt zu beschreiben. Marc Thörner sagt: Wer sich den Taliban anschließt, kann das aus unterschiedlichen Gründen tun, zum Beispiel aus religiösen oder auch aus einer Unzufriedenheit heraus mit der eigenen wirtschaftlichen Situation.

Einfacher, rigider Islam

Der harte Kern der Taliban besteht aus den Paschtunen, die größtenteils aus Pakistan kommen, sagt Marc Thörner.

Weiteren Einfluss auf Afghanistan übt Pakistan über die Madrasas aus. Das sind mehr oder weniger privat organisierte Schulen, auf die der Staat kaum Einfluss hat und in denen ein einfacher, rigider Islam gelehrt wird, der mit dem traditionellen afghanischen Islam nicht viel zu tun hat.

"Mein Gefühl ist, dass in Afghanistan einiges zu befürchten sein wird, wenn die Weltöffentlichkeit nicht mehr so genau hinschaut."
Marc Thörner, Journalist und Sachbuchautor mit Schwerpunkt Afghanistan

"Der Islam aus Pakistan wird nach Afghanistan gebracht, und dort spielt der Heilige Krieg eine große Rolle", sagt Marc Thörner. Durch die jahrelange Indoktrination über die pakistanische Grenze würde der traditionelle afghanische Islam verdrängt.

Letzteres ist auch deshalb möglich, weil die Afghanen in vielen Regionen unzufrieden sind mit Entwicklungen, die nicht mit der Religion zu tun haben, sagt Marc Thörner. Hier geht es zum Beispiel um wirtschaftliche Fragen wie Gerechtigkeit, Einkommen, Arbeit und Landbesitz.