Die Vorgehensweise wird auch Fallschirmwissenschaft genannt: In ein Land einfallen, die Fossilien mitnehmen, wieder abhauen – ohne Beteiligung der Forschenden vor Ort.

Die Paläontologie ist während der Kolonialzeit entstanden. Als sie sich als wissenschaftliche Disziplin entwickelte, hatten viele Nationalstaaten Kolonien im Ausland.

Diesen wissenschaftlichen Kolonialismus gibt es immer noch, kritisiert ein internationales Forschungsteam. Es benutzt den Begriff "Fallschirmwissenschaft": Forschende aus reicheren Ländern fallen wie Fallschirmjäger in ärmeren Länder ein, nehmen die Fossilien an sich und erforschen sie ohne Kooperation mit den Menschen vor Ort.

Ausbeutung ärmerer Länder durch reiche

In vielen Fällen landen die Fundstücke in einem Museum im Westen. Außerdem erscheint ein Artikel in einem wissenschaftlichen Journal, den die Menschen im Ursprungsland womöglich nicht mal lesen können, weil sie eine andere Sprache sprechen.

"Fallschirmwissenschaft heißt: Mit dem Fallschirm in ein ärmeres Land einreisen, sich die Fossilien schnappen und ohne Kooperation mit den Menschen vor Ort erforschen."
Britta Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die wissenschaftliche Vorgehensweise könne durchaus mit der kolonialen Vergangenheit vieler Länder verglichen werden, sagt das Forschungsteam. Damals beuteten die Kolonialherren Menschen und Rohstoffe des Landes aus.

Frankreich betreibt heute zum Beispiel in Marokko und Algerien paläontologische Forschung. Deutschland forscht in Tansania.

Neokolonialismus

Die Verfasser*innen der Studie weisen darauf hin, dass es auch neuen Wissenschaftskolonialismus gibt. China etwa hätte zwar in den vergangenen Jahrzehnten viel im eigenen Land geforscht- doch die Forschungen hätten sich dann nach und nach auf andere Länder ausgeweitet, zum Beispiel auf Myanmar – und das ohne Partner vor Ort.

"In den letzten Jahren sind immer wieder Forschungen erschienen, in denen chinesische Forscher über Fossilien aus anderen Ländern schreiben – ohne Partner vor Ort."
Britta Wagner, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Insgesamt, so schreiben ist die Forschenden in ihrer Studie, ist die Schieflage in der Paläontologie ein Zusammenspiel von vielen Faktoren. Der Kolonialerbe spielt eine Rolle genauso wie Reichtum und Armut. Und auch die Frage, warum Englisch als Wissenschaftssprache so dominant ist. Das alles führe zu einer Schieflage in der Paläontologie.

Verbesserungsvorschläge

Das Forscherteam schlägt vor, darüber nachzudenken, ob die gefundenen Fossilien an die Ursprungsländer zurückgegeben werden sollten. Auch könnte die Förderung internationaler Zusammenarbeit die Situation verbessern, also das Einbeziehen von Forschenden vor Ort. In einem Punkt hat das Forscherteam ihre eigenen Vorschläge schon ein wenig umgesetzt: Das Abstract wurde in 23 verschiedenen Sprachen veröffentlicht.