Das knallt: Ein Team von 370 Journalisten hat 11,5 Millionen Dokumente über Briefkastenfirmen in Panama Fonseca ausgewertet und ist auf prominente Namen gestoßen: der isländische Premier, ein Putin-Vertrauter, ein Cousin von Syriens Präsident und Lionel Messi.

Angefangen hat alles vor ziemlich genau einem Jahr mit einer Datenbank, die 2,6 Millionen Terabyte Daten und Dokumente durchsuchen kann. "Dann haben wir erstmal Namen gesammelt und geschaut, wer könnte da drinnen stehen - in Deutschland und darüber hinaus", sagt Kersten Mügge, Journalist beim Norddeutschen Rundfunk und beteiligt an der Recherche zu den Panama Papers. Dass hinter den geleakten Daten ein Skandal steckt, sei den Journalisten schnell bewusst gewesen.

Vor einem Jahr hatten die Journalisten über Durchsuchungen bei der Commerzbank berichtet. Die wurden angeordnet, nachdem das Land NRW Daten angekauft hatte, die auch von Mossack Fonseca stammten. Diese Daten seien nur ein Bruchteil davon gewesen, was dem Rechercheverbund jetzt zur Verfügung steht, sagt Kersten Mügge. Deswegen sei ihm schnell klar geworden: Die Panama-Papers sind ein richtiger Knaller.

"Wir wollen die Strukturen dieses Geschäfts offenlegen. Da kann man politisch ansetzen, wie man verhindern kann, dass Menschen ihr Geld offshore bringen und vor anderen Menschen verbergen - vor allem vor dem Finanzamt."
Kersten Mügge, Journalist Norddeutscher Rundfunk

Gestern Abend (03.04.2016) und heute gab es den ersten Aufschlag in der Berichterstattung zu den Panama Papers. Es geht dabei nicht nur darum, die großen Geschichten zu erzählen oder berühmte Namen zu nennen, sagt Kersten Mügge. Die Journalisten wollen verstehen, wie das Geschäft mit Briefkastenfirmen funktioniert.

Freunden oder Familienmitgliedern konnte Kersten Mügge das ganze Jahr über nicht von seinen Recherchen erzählen. Besonders stressig sei es für ihn erst in den letzten Wochen geworden: "Da ist die ein oder andere Überstunde dazugekommen."

Die Gründung einer Briefkastenfirma kostet mehrere hundert Euro und eine Gebühr in Höhe von mehreren hundert Euro pro Jahr. "Wenn es um ein paar Millionen Euro Schwarzgeld geht, lohnt sich das schon. Für uns Normalverdiener eher nicht", sagt Kersten Mügge.

Zugriff auf internen Mail-Verkehr

Wer eine Briefkastenfirma gründen möchte, wendet sich an Berater, die dann bei Unternehmen wie Mossack Fonseca eine Briefkastenfirma einrichten. Die läuft nicht auf den Namen desjenigen, der sein Geld dort parkt, sondern auf den Namen einer beliebigen Person, die in dem jeweiligen Land lebt. Der, der sein Geld dort parkt, bekommt nur eine Vollmacht, mit der er auf die Geldsummen zugreifen kann.

"Dass du bevollmächtigst bist, kann keine Behörde nachweisen. Das geht nur, wenn man den internen Mailverkehr vorliegen hat", erklärt Kersten Mügge. Genau diese Daten haben die Journalisten jetzt.