Keine Abschlussfeiern, viel zu Hause hocken, kein Sport und Freizeit meist mit den Eltern - Pandemie und Lockdown haben vor allem jungen Leuten viel abverlangt. Kritisiert wird das schon seit Längerem. Jetzt bestätigt es auch eine neue Studie.

Jugendforscher und Erziehungswissenschaftler Simon Schnetzer ist einer der Leiter der Studie, bei der Mitte Mai dieses Jahres 1011 Menschen zwischen 14 und 29 Jahren online befragt wurden. Zusätzlich wurden vereinzelt sogenannte qualitative Interviews mit Menschen aus dieser Zielgruppe geführt.

Psychische Belastung und kaum Partizipation

Die Ergebnisse der Studie "Jugend und Corona in Deutschland" sind laut dem Jugendforscher eindeutig: "Über die Hälfte der jungen Menschen sagen, dass sich ihre psychische Gesundheit verschlechtert hat." Fast genauso bedrückend findet er, dass ebenso viele der Befragten das Gefühl haben, die Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben.

"Die Risikogruppen sind durchgeimpft, die Inzidenzen sinken, aber die harten Regeln, die uns davon abhalten, unsere Freiheiten zurückzubekommen, gelten weiterhin."
Jugendforscher Simon Schnetzer erklärt die Sicht junger Menschen auf die Einschränkungen

Was außerdem Spuren hinterlassen zu haben scheint, ist die lange Zeit der Verbote und die gleichzeitig priorisierte Behandlung, also Impfung der älteren Bevölkerung und der Risikopatienten. Insgesamt zeigen sich laut Simon Schnetzer über sechzig Prozent solidarisch und sind bereit, Rücksicht zu nehmen. Noch vor einem halben Jahr sei dieser Anteil aber wesentlich höher gewesen. Inzwischen, so Simon Schnetzer, würde abgewogen zwischen psychischem Schaden und Regelverstößen.

Jugend als wichtige Entwicklungsphase anerkennen

Der Grund für diesen Stimmungswechsel liegt für den Jugendforscher auf der Hand: Jugendliche seien in einer Lebensphase, in der sie alles vor sich haben. Junge Leute müssten sich in der Welt orientieren. Aber das sei schwer, wenn man niemanden treffen und seine sozialen Fähigkeiten nicht mit anderen entwickeln könne.

"Das Wichtigste, was Politiker sich jetzt auf die Agenda setzen sollten, ist, jungen Menschen zuzuhören und gemeinsam mit ihnen zu schauen, wie können wir jetzt weitermachen."
Simon Schnetzer, Jugendforscher

Das alles sei zwar frustrierend, was junge Leute aber besonders aufrege, erklärt Simon Schnetzler, ist, dass sie nicht gehört würden und sich nicht beteiligen können.