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Rund fünf Jahre nach den Panama Papers gibt es den nächsten Steuerhinterziehungs-Skandal: Die Pandora Papers. Das Prinzip ist das gleiche: Reiche sparen viel Geld mit Briefkastenfirmen und Steuertricks – nur die Namen der Prominenten sind andere.

Die Liste der Personen ist lang. Mehr als 330 Politiker*innen aus fast 100 Ländern sind in den Dokumenten aufgeführt. Aus Deutschland ist keine*r dabei, aber europäische Vertreter wie Tschechiens amtierender Minister Andrej Babis sowie der ehemalige britische Premierminister Tony Blair sollen laut den Recherchen diverse Steuervermeidungstricks angewendet haben. Für Babis ist der Zeitpunkt der Veröffentlichung denkbar ungünstig: Kommende Woche finden in Tschechien Parlamentswahlen statt.

Jakob Vogel aus der Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion sagt, dass es sich um viele Daten handelt, die das Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) veröffentlicht hat. Aus Deutschland beteiligten sich NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung an den Recherchen.

"Es handelt sich um ein riesiges Datenpaket von 14 Finanzdienstleistern, die vor allem in Steueroasen tätig sind. Es geht um fast 12 Millionen einzelne Dokumente. Es sind Fotos, PDF-Dateien und viele Mails."
Jakob Vogel, Deutschlandfunk Nova Nachrichtenredaktion

Das Datenpaket sei dem ICIJ zugespielt worden, sagt Jakob. Von wem, ist nicht bekannt. Mehr als 600 Journalist*innen arbeiteten zusammen daran, die Daten nutzbar zu machen.

Offenbar ist es auch fünf Jahre nach der Veröffentlichung der Panama Papers noch immer angesagt, sein Geld in Steueroasen anzulegen. "Das Verschleiern von Vermögenswerten bei Briefkastenfirmen ist laut den Recherchen besonders beliebt bei Milliardären", so Jakob Vogel. Etwa 130 Milliardäre tauchen in den Daten auf.

Amtierende Politiker sind in den Pandora Papers

Aber auch Politiker sind in den Dokumenten zu finden. Einige sind sogar noch in Amt und Würden, wie eben der tschechische Präsident Andrej Babis.

Babis soll sich laut der Pandora Papers ein Anwesen in Frankreich für 15 Millionen Euro gekauft haben. Das hat der Politiker in seiner Heimat nicht offengelegt, obwohl er es hätte tun müssen, erklärt Jakob Vogel.

NDR-Investigativjournalist Benedikt Strunz hat an den Pandora Papers recherchiert
"Politikerinnen und Politiker sind der Öffentlichkeit Rechenschaft schuldig. Im Falle von Briefkastenfirmen wird das aber schwierig, weil das Ganze intransparent und nicht nachprüfbar wird."

In Tschechien sind am kommenden Wochenende Wahlen. Andrej Babis äußerte sich am Sonntag knapp zu den Vorwürfen, sagt Jakob Vogel. So erklärte der tschechische Minister, dass er nichts Schmutziges oder Ungesetzliches getan habe.

Versuch Tschechiens Wahlen zu beeinflussen

Dass die Pandora Papers nun öffentlich gemacht werden, sei laut Babis ein Versuch, ihn zu beschmutzen und die Parlamentswahlen in Tschechien zu beeinflussen. Das, so Benedikt Strunz vom NDR, der an den Pandora Papers mitgearbeitet hat, sei nicht die Intention der Recherche gewesen. "Uns geht es darum, den Besitz offenzulegen und zu fragen, warum das Geld über so aufwendige Konstruktionen in Briefkastenfirmen versteckt wurde."

"Ein weiterer Prominenter, der in den Pandora Papers auftaucht, ist der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. In seiner Rolle als ehemaliger Kabarettist hat er die Oligarchen seines Landes für ihre schmutzigen Finanzgeschäfte an den Pranger gestellt hat."
Jakob Vogel, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Dabei hat Wolodymyr Selenskyj womöglich vom größten Betrug in der Ukraine profitiert, sagt Jakob Vogel. Weitere bekannte Personen aus den Pandora Papers sind Wladimir Putin und dessen Vertraute, sowie der jordanische König Abdallah.

NDR-Investigativjournalist Benedikt Strunz
"Breifkastenfirmen sind prinzipiell legal. Allerdings werden sie oft für Geldwäsche genutzt oder um Steuern zu hinterziehen."

Darüber hinaus, erklärt Benedikt Strunz, zeigten die Pandora Papers, dass Briefkastenfirmen ein "Tummelplatz für Organisierte Kriminalität" seien. Als Beispiel nennt er den sogenannte "Wolf von Sofia". Dabei handele es sich um ein kriminelles Netzwerk von Online-Betrügern, die in der ganzen Welt Menschen ausgenommen hätten. Obwohl die Verantwortlichen geschnappt seien, sei das Geld in Höhe von 100 bis 200 Millionen Euro immer noch unauffindbar. Die nun veröffentlichten Daten zeigten, warum. Dahinter liege ein ganzes Netzwerk an Briefkastenfirmen, sagt Benedikt Strunz, in dem das Geld regelrecht versickert sei.