Auf vielen Kosmetikprodukten steht der Hinweis "Frei von". Achten Menschen darauf, gewisse Inhaltsstoffe zu vermeiden, sind diese auch oft nicht in ihrem Körper auffindbar, wie Forschende jetzt in einer Studie feststellen. Aber: Wie realistisch es ist, dass wir durch die Stoffe tatsächlich einen gesundheitlichen Schaden erfahren, ist unklar.

Bei Kosmetikprodukten oder Haushaltsmitteln kann der Blick auf die Inhaltsstoffe manchmal mehr Fragen aufwerfen als klären: Was zum Beispiel versteckt sich hinter dem Stoff 2-Hydroxy-4-methoxybenzophenon?

Hormon-Störer im Urin

Der Stoff, auch Oxybenzon genannt, ist ein chemischer UV-Filter in Sonnencreme. Und er steht in Verdacht, ein Hormon-Störer zu sein. Diese sogenannten endokrinen Disruptoren können den Hormonhaushalt beeinflussen.

Vermeiden Menschen bewusst bestimmte Stoffe, haben sie häufig auch weniger von ihnen im Körper beziehungsweise sind sie weniger im Urin nachweisbar. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschenden der NGO Silent Spring Institut aus den USA.

Oxybenzon, Parabene, Triclosan, BPA

Für die Studie haben die Forschenden den Urin von über 700 Probanden auf zehn Stoffe untersucht, die zu den Hormon-Störern zählen. Neben dem UV-Filter Oxybenzon haben sie die Proben zum Beispiel auch auf Parabene getestet, die etwa in Cremes als Konservierungsmittel dienen, auf den antibakteriellen Stoff Triclosan, der in Seife, Desinfektionsmittel und Zahnpasta enthalten ist und auch auf Bisphenol A (BPA). Das ist oft noch in Kunststoffverpackungen oder Dosen drin, darf aber in Deutschland seit 2011 nicht mehr für Babyfläschchen verwendet werden.

Zusätzlich sollten die Testpersonen Fragen zu ihrem Kaufverhalten bei Kosmetika und Haushaltsprodukten beantworten, um so herauszufinden, worauf die Studienteilnehmerinnen achten. Diejenigen von ihnen, die die meisten Stoffen vermeiden, hatten tendenziell auch am wenigsten davon im Urin.

"Frei von"

Das scheint logisch, auch weil auf einigen Produkten mittlerweile Hinweise wie "Frei von Parabene, BPA und Co." stehen. Fehlt dieser ausdrückliche Hinweis, kann das die Suche nach bestimmten Stoffen unter anderem erschweren, weil ein Stoff unter verschiedenen Namen als Inhaltsstoff gelistet werden kann.

Ein Beispiel: Der UV-Filterstoff in Sonnencreme, Oxybenzon, kann neben 2-Hydroxy-4-methoxybenzophenon auch unter seiner englischen Schreibweise Benzophenone-3 dort auftauchen.

Auch besteht bei manchen Stoffen wie BPA keine Pflicht für die Hersteller, kenntlich zu machen, dass die Verpackung des Produkts BPA enthält. Bisphenol A ist zum Beispiel auch in Dosen drin – vielen Menschen ist das aber nicht klar, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sophie Stigler.

Das zeigt auch die Studie der amerikanischen Forschenden: Selbst wenn die Probanden versucht haben, BPA zu meiden, hatten sie davon nicht unbedingt weniger im Urin.

"Nur weil alle Kosmetikhersteller plötzlich 'Frei von' auf ihre Flaschen drauf schreiben, heißt das nicht, dass dieser Stoff unbedingt superschlecht ist."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk Nova

Zudem macht es deutlich, wie komplex der Umgang mit endokrinen Disruptoren ist. Denn: Wie schädlich einzelne Stoffe sind, die uns begegnen, ist aktuell unklar. "Wir kommen im Alltag mit so vielen Stoffen in Kontakt, dass man oft schwer sagen kann: Dieser eine Stoff macht uns krank", so Sophie Stigler. Zumal es oft auf die Höhe der Konzentration eines Stoffs ankommt.

Die Dosis macht das Gift

Geht es um Parabene, ist die Studienlage insgesamt unklar, ob der Stoff in realistischen Dosen tatsächlich schädlich ist.

Bei BPA hingegen sind sich die Forschenden mittlerweile einig, dass sich der Stoff unter anderem auf die Fruchtbarkeit auswirkt. Laut der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) sei der Kontakt mit BPA im Alltag aber so gering, dass die Werte tendenziell ungefährlich seien.