Weltweit haben Journalisten Millionen geheimer Dokumente ausgewertet, die die Offshore-Geschäfte von Firmen, Politikern, Sportlern und Kriminellen enthüllen. Die Recherchen mit dem Titel "Paradise Papers" setzen auch die US-Regierung unter Druck.

Wie auch bei den Panama Papers haben Journalisten aus aller Welt zusammengearbeitet. Fast 400 Reporter aus 67 Ländern haben den riesigen Datensatz ausgewertet. Die Arbeit dauerte länger als ein Jahr. Insgesamt sind es 13,4 Millionen geheime Dokumente: 

  • Die Daten sollen zeigen, wie Kriminelle, Superreiche und Politiker Steuern vermeiden und multinationale Konzerne Steuern drücken
  • In den Unterlagen tauchen insgesamt mehr als 120 Staats- und Regierungschefs und Politiker aus 47 Ländern auf, außerdem zahlreiche Promis

Der US-Handelsminister im Visier

Die "Paradise Papers" reichen bis ins Kabinett von US-Präsident Trump, berichtet Philipp Eckstein von NDR-Info – konkret: zum seit dem 28. Februar 2017 amtierenden US-Handelsminister Wilbur Ross

"Obwohl Ross sein Amt angetreten und versprochen hat, sich aus allen Konflikten herauszuhalten, hält er über Briefkastenfirmen Anteile an einem Schiffsunternehmen."
Philipp Eckstein, NDR-Info-Reporter

Das Schiffsunternehmen transportiert für das russische Unternehmen Sibur Flüssiggas.

  • Sibur stammt aus dem engsten Umkreis Putins: Sein Schwiegersohn ist an der Firma beteiligt
  • außerdem Gennadi Timtschenko, ein nach der Krim-Annexion mit US-Sanktionen belegter russischer Oligarch und Judo-Trainingspartner Putins 
"Das wirft natürlich viele Fragen auf, dass der US-Handelsminister hier indirekt mit Geschäften profitiert."
Philipp Eckstein, NDR-Info-Reporter

Ross selbst hatte gesagt, er wolle sich aus allen Entscheidungen, die Überseeschiffe betreffen heraushalten, weil er potenziell befangen wäre. Das sei, sagt Eckstein, natürlich eine bemerkenswerte Aussage für einen Handelsminister.

Nach den Panama Papers kam Kritik von vielen Seiten, die Enthüllungen hätten nicht dazu geführt, dass sich wirklich etwas verändert hat.

Moralisch verwerflich und justiziabel 

Es gebe klare Fälle, so Eckstein, wo der eine oder andere sagen wird: "Das war ein klarer Fall von Steuerhinterziehung".

"Wir selbst sind ja keine Juristen und können das nicht abschließend bewerten."
Philipp Eckstein, NDR-Info-Reporter

Der Großteil der Enthüllungen betreffe aber Geschäfte, die in einem Graubereich stattfinden. Wo hoch spezialisierte Anwaltskanzleien und Unternehmensberater höchst komplizierte Firmengeflechte schaffen, über die dann Großkonzerne ihre Steuern kleinrechnen können.

Ruf nach einer gesellschaftlichen Debatte

Die Frage sei aber trotzdem weniger die nach der Illegalität als die nach einer gesellschaftlichen Debatte, so Eckstein. Die Strukturen lägen jetzt offener denn je. Man könne also nicht mehr sagen, dass man nicht weiß, was an diesen Schatten-Finanzplätzen passiert.

"Die Paradise Papers erlauben noch mal einen sehr viel tieferen Einblick in diese Welt als die Panama Papers. Die Frage ist: Möchten wir als Gesellschaft, dass es eine kleine Gruppe gibt, für die andere Regeln gelten?"
Philipp Eckstein, NDR-Info-Reporter