Endlich wieder auf Festivals und Konzerte gehen. Viele von uns können das nicht mehr erwarten. Doch ab wann wird das wieder uneingeschränkt möglich sein? Das ist eine der Fragen, mit der sich das "Parliament of Pop" beschäftigt hat.

Aus einer Initiative heraus, die ehemalige Musikmesse Popkomm zeitgemäß wiederzubeleben, entwickelten die Veranstalter aus gegebenem Anlass die Idee, Musik und Politik zusammen an einen Tisch zu setzen. Gesagt - getan: Bei der Popkomm re:loaded tauschte sich am 11.06.2021 das Parliament of Pop mit Vertreterinnen und Vertretern aus Konzertbranche und Politik aus. Die Veranstaltung wurde live im Stream aus dem Kölner Club Luxor übertragen. Amy Zayed war für Deutschlandfunk Nova dabei.

"Bis wir zur vollständigen Normalität zurückkehren können, wird es noch etwas dauern."
Amy Zayed, Deutschlandfunk Nova

Einer der Teilnehmenden war SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Es werde zwar noch nicht morgen so sein wie vorher, sagte er. Doch wenn wir die Infektionszahlen im Blick haben und die drei Gs – getestet, geimpft, genesen – dann sollten schrittweise auch Konzerte wieder möglich sein. Bis wir zur vollständigen Normalität zurückkehren können, wird es aber noch etwas dauern, fasst Amy Zayed zusammen.

Politik und Musik an einem Tisch

Kurz vor der Bundestagswahl sind Politikerinnen und Politiker natürlich auf Stimmenfang. Trotzdem war die Veranstaltung "zumindest mal ein Anfang", findet unsere Reporterin. Während der Pandemie sei gerade Kulturschaffenden bewusst geworden, wie die Wahrnehmung in der Gesellschaft – aber vor allem auch in der Politik – für die Kultur aussieht. Auf der anderen Seite beschwerten sich manche Politikerinnen und Politiker darüber, dass man bei all den wirtschaftlichen Hilfen nicht jeden berücksichtigen könne, so Amy Zayed.

Die Maschinerie der Konzertveranstaltungen, vor allem die der kleinen Clubs, müsse dringend wieder ans Laufen kommen. Denn die Verluste simd immens, sagt Amy Zayed. Sie hat mit Rembert Stiewe gesprochen, der beim Parliament of Pop dabei war. Er arbeitet beim Indie-Label "Glitterhouse" und veranstaltet ein relativ kleines Festival namens "Orange Blossoms" für etwa 4000 Leute.

"Der Vorverkauf für das Festival war im November 2019, mittlerweile habe ich das Festival viermal verschoben. Und auch aus dem vierten Termin im August wird aufgrund der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW nichts werden."
Rembert Stiewe, Veranstalter des Indie-Festivals "Orange Blossoms"

Das Festival sei schon viermal verschoben worden – und auch der aktuelle Termin im August werde wohl nicht klappen. Ihm geht es aber um mehr, sagt Rembert Stiewe: Er finde die Gelegenheit gut, dass Musik und Politik an einen Tisch kommen. Es brauche einfach mehr Verständnis seitens der politisch Handelnden und seitens der Musikbranche.

Von der Musik zur Politik

Beim Parliament of Pop seien viele ehemalige oder sogar noch aktive Mitglieder der Musikbranche dabei gewesen, die jetzt oder vor einiger Zeit in die Politik gewechselt sind: zum Beispiel Jens Herndorf, der Manager von Fettes Brot, der gleichzeitig auch Vorstandssprecher der Grünen im Kreis Pinneberg ist und sich gerade auf ein Direktmandat für den kommenden Bundestag bewirbt. Er sieht die Politik in der Pflicht, sich ganz klar zur Kultur zu positionieren.

"Wir sind an einem Scheidepunkt, an dem sich zeigen wird, wie ernst es die Parteien auch über die Krise hinaus nehmen, und nicht nur einmalig sagen: So, hier ist Geld!"
Jens Herndorf, Manager von Fettes Brot und Vorstandssprecher der Grünen im Kreis Pinneberg

Auch bzw. vor allem nach der überstandenen Pandemie müssten die Parteien deutlich machen, wie sie Kulturschaffende zukünftig besser absichern wollen und wie sie dafür sorgen wollen, dass kulturelle Angebote dauerhaft sicher in der Stadt und auf dem Land angeboten werden können und dass keine weiteren Clubs sterben.

Die Veranstalter hoffen, dass das Parliament of Pop in Zukunft häufiger – und unabhängig von Corona – stattfinden kann, außerdem live und mit internationalem Input.