Männer sind oft Opfer des Systems, das sie selbst erschaffen haben: dem Patriarchat. Sollen wir deswegen Mitleid haben? Ja, sagt Autorin Sophia Fritz. Aber nicht so, wie man es erst mal denken könnte.
Männer haben es in unserer Gesellschaft gut. Sie regieren, sie haben mehr Geld zur Verfügung und ihre Meinung wird anders angenommen als die von Frauen.
Sie haben das Patriarchat aufgebaut, aufrechterhalten und auf sich ausgelegt. Aber: Männer führen nicht nur die Statistiken zu Geld, Macht und Dominanz an. Sie sterben drei Mal so häufig durch Suizid wie Frauen, fast 95 Prozent der Gefängnisinsassen sind männlich, Männer führen Gewaltstatistiken als Täter an.
In der Medizin ist immer noch oft der männliche Körper der Standard und die Frau die Abweichung. Trotzdem sterben Männer im Schnitt fünf Jahre früher als Frauen. Männer sind oft Opfer des Systems, das sie selbst erschaffen haben.
Verbindung schaffen
In dieser Erkenntnis sieht die Autorin Sophia Fritz eine Chance, wieder mehr Verbindung zwischen den Geschlechtern und auch zwischen Männern untereinander zu kultivieren. Sie empfindet mit Männern oft Mitleid. Auch, weil viele Männer den Bezug zu ihrem Inneren und ihren Gefühlen verloren haben, sagt sie.
"Das [Alexithymie] ist ein Begriff, der beschreibt, dass es schwierig ist, den Zugang zu den eigenen Gefühlen zu finden oder wahrzunehmen. Bei bei Männern wird das deutlich häufiger festgestellt als bei Frauen."
Die Ursache ist keine biologische, sondern hat mit Sozialisation zu tun. Männer werden eher dazu erzogen, ihre Gefühle zu unterdrücken und wenig zu weinen. Deswegen sieht Sophia das auch nicht als individuelles Problem an.
Welche Auswirkungen das hat und wie Männer wieder einen Zugang zu ihren Gefühlen finden können, darüber spricht Sophia Fritz in dieser Eine Stunde Liebe.
- Fritz, Sophia. (2026). Der Mann, das Opfer. Hanser Berlin.
- Sophia Fritz über Mitleid für Männer
- Gefühlsblindheit und ihre Auswirkungen
- Liebestagebuch mit Luis über eine spannende Begegnung
