Im Körper seines Wirts bohrt sich der Peitschenwurm in die Darmschleimhaut ein und nistet dort manchmal für Jahre. Forscher haben jetzt das Genom des Parasiten entschlüsselt, um neue Medikamente gegen ihn zu entwickeln. Bestimmte Eigenschaften des Wurms können aber auch dabei helfen, andere Krankheiten zu bekämpfen. Dafür müssen die Wurmeier geschluckt werden.

Der Peitschenwurm kommt vor allem dort vor, wo es warm ist - oft in den Tropen oder Subtropen. Sind dazu die hygienischen Bedingungen schlecht, fühlt er sich besonders wohl. Seinen Namen hat der Parasit aufgrund seiner äußeren Erscheinung: Das Vorderteil sieht aus wie ein Faden, hinten wird er dann mit Darm und Geschlechtsorgan dicker und erinnert damit an eine Peitsche.

Schmerzen nur bei starkem Befall

Experten schätzen, dass weltweit über 800.000 Kinder von dem bis zu fünf Zentimeter langen Wurm befallen sind. Eine Infektion mit dem Peitschenwurm kann zu einer "Trichuriose" führen. Bei wirklich schwerem Befall entzündet sich der Darm und man bekommt Krämpfe, Durchfall und Blutungen. Bei einer Infektion mit nur wenigen Würmern merkt der Patient oft nichts von einem Befall.

Neue Medikamente dank entschlüsseltem Genom

Bisher gab es nur wenige wirkungsvolle Medikamente, um den Peitschenwurm zu bekämpfen. Das könnte sich bald ändern: Wissenschaftler - unter anderem vom britischen Wellcome-Trust-Sanger-Instituts und der australischen Universität Melbourne - haben sich mit den Genen des Wurms beschäftigt, die für sein Überleben wichtig sind. Damit wollen sie einerseits neue Medikamente entwickeln, aber auch Medikamente testen, die zwar gegen andere Krankheiten angewendet werden, womöglich aber auch gegen den Peitschenwurm helfen.

Entzündungshemmende Peitschenwurmeier

Nistet sich der Peitschenwurm in der Darmschleimhaut ein, sondert er dabei ein bestimmtes Enzym ab, das entzündungshemmend wirkt. Damit verhindert der Wurm, dass der Schaden, den er im Körper seines Wirts anrichtet, nicht zu groß wird, schließlich ist der Parasit auf seinen Wirt angewiesen.

Dieses Enzym wollen die Wissenschaftler nutzen, um Patienten mit chronischen Darmkrankheiten zu helfen. Aber auch gegen Auto-Immun-Krankheiten wie Multiple Sklerose kann das Enzym nützlich sein, da es hier um eine Entzündung der Nerven geht. Dafür müssen Patienten die Wurmeier des Schweine-Peitschenwurms schlucken. Nebenwirkungen lassen sich ausschließen, da dieser, wie der Name schon verrät, ausschließlich nur Schweine befällt. Im falschen Wirt - also im Menschen - überlebt diese Art dann auch nicht länger als zwei Wochen, die entzündungshemmenden Eigenschaften jedoch sind die gleichen wie beim Peitschenwurm.