Viele Menschen wollen derzeit in den Urlaub fliegen, aber an Flughäfen und bei den Airlines fehlt nach zwei Pandemie-Jahren viel Personal. Die Folge: Chaos und gestrichene Flüge.

Feiertage, Pfingstferien, Sommer – nach zwei Jahren Corona-Einschränkungen gibt es derzeit ein hohes Reiseaufkommen. Dass sich lange Schlangen an den Flughäfen bilden oder Flieger gar nicht erst starten, liegt aber nicht nur an der Masse von Reiselustigen.

An Flughäfen und bei bei den Airlines fehlt Personal. Die Folge: Es herrscht Chaos. In den Niederlanden und Großbritannien fallen viele Flüge kurzzeitig aus. Und nicht nur das: Deutschlandfunk-Nova-Reporter Nik Potthoff berichtet, dass es an vielen Flughäfen gerade nicht rund läuft.

"Am Wochenende sind Reisende in verschiedenen Ländern gestrandet. Die wollten zurück in die Niederlande, aber da hatte die holländische Fluggesellschaft KLM spontan viele Flüge abgesagt."
Niklas Potthoff, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Am Airport in Amsterdam kam man mit der Abfertigung der Passagiere nicht mehr hinterher. Deswegen wurden Flüge gecancelt. Die Maschinen fehlen dann wiederum an anderen Flughäfen.

In Deutschland gibt es diese Probleme gerade an den Flughäfen in Düsseldorf und Frankfurt. Da dauert es teilweise Stunden, um überhaupt mal durch die Fluggastkontrolle zu kommen, berichtet Nik Potthoff.

Der Personalmangel wirkt sich auf alle Bereiche aus

Da in den vergangenen zwei Pandemie-Jahren viel weniger als gewöhnlich geflogen wurde, haben die Airlines – aber vor allem die Flughäfen – Personal eingespart, um die Kosten zu senken. Deswegen fehlt es jetzt vor allem an Bodenpersonal, sagt Özay Tarim von Verdi.

Er sagt, das Problem hätte man kommen sehen können. Es sei absehbar gewesen, dass die Pandemie den Reiseverkehr nicht für immer aufhält. Özay Tarim kritisiert, dass Flughäfen früher hätten reagieren müssen. Schon im vorigen Sommer sind wieder mehr Leute verreist. Das hätte man erkennen müssen.

"Es war schon absehbar, dass die Fluggastzahlen wieder nach oben gehen, da hätte man schon im letzten Sommer reagieren müssen, um neues Personal zu rekrutieren, das ist nicht passiert."
Özay Tarim, Gewerkschaftssekretär bei Verdi

Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit fehlen etwa 20 Prozent Bodenpersonal, erläutert Ralph Beisel, Geschäftsführer des Flughafenverbandes ADV. Reporter Nik Potthoff sagt, dass sich das nun auf alle Bereiche in Flughäfen auswirkt: "Mitarbeitende fehlen zum Beispiel beim Check-In, beim Beladen der Flugzeuge, bei der Sicherheitskontrolle und so weiter."

Das Problem des fehlenden Personals an Flughäfen ist nicht neu. Viele Leute finden es nicht reizvoll, dort zu arbeiten. Die Jobs dort gelten als extrem stressig.

Studierende sollen aushelfen

Nik Potthoff glaubt daher nicht, dass sich kurzfristig an den aktuellen Zuständen etwas ändern wird. Hinzu kommt, dass alles, was mit Koffern oder der Sicherheitskontrolle zu tun hat, "sicherheitsrelevanter Bereich" ist. Dementsprechend müssen Bewerberinnen und Bewerber erst einmal von der Bundespolizei überprüft werden – mitsamt polizeilicher Führungszeugnisse, erklärt Nik.

Weil viele Passagiere in den Sommermonaten natürlich trotzdem starten wollen, will der Flughafen in Düsseldorf Studierende als Aushilfen einstellen. Der Airport Frankfurt hat schon angekündigt, eventuell einzelne Verbindungen zu streichen, da kurzfristige Einstellungen von Aushilfen vermutlich nicht ausreichen werden.

Wer im Sommer verreisen will, sollte auf jeden Fall sehr früh am Flughafen sein, denn die üblichen zwei Stunden reichen nicht mehr aus. Ein Reisender hat das dem WDR geschildert. Einige Fluggesellschaften wollen die Möglichkeit von Früh-Check-Ins verbessern.

Wer seinen Flug wegen langer Wartezeit möglicherweise verpassen könnte, sollte das dem Personal melden, erklärt Nik. Im vergangenen Jahr hat ein Gericht zugunsten der Reisenden entschieden. Sie konnten nachweisen, dass sie 90 Minuten vor Abflug in der Sicherheitskontrolle standen. In diesem Fall muss die Bundesrepublik Deutschland Schadenersatz bezahlen.