Hunde und Katzen fressen von Natur aus Fleisch. Viele Haustier-Besitzer:innen würden aber gerne auf fleischhaltiges Tierfutter verzichten – zum Beispiel für die Umwelt. Eine Studie sagt: Eine vegane Ernährung ist auch bei Haustieren unter Umständen möglich.

Schluss mit saftigen Rinderbröckchen in Soße oder Fischstückchen für Schleckermäulchen – zumindest wünschen sich das einige Haustier-Besitzer:innen. Gründe für eine solche Entscheidung gibt es einige. Eine neue Studie der britischen Universität Winchester meint: Vegane Ernährung schadet dem Tier oft nicht.

Pflanzenbasiertes Futter nur mit zugesetzten Nährstoffen

Noch ist die Studie nicht veröffentlicht, doch Andrew Knight, der die Studie durchgeführt hat, berichtete von den Ergebnissen vorab im Guardian. Tierhalter:innen wurden zur Gesundheit ihrer Tiere befragt, die sie vegan oder mit Fleisch ernährt haben.

Nach den Angaben von Knight habe die Studie ergeben, dass Hunde und Katzen die pflanzenbasiertes Futter bekämen genauso gesund oder sogar gesünder waren, als diejenigen die Futter mit Fleisch bekommen. Er betont aber, dass darauf geachtet werden müsse, dass genügend Nährstoffe zugesetzt sind, die Hunde und Katzen brauchen und die in Pflanzen nicht enthalten sind.

"Wenn man es denn macht, würde ich sagen: Vertragen tut es der erwachsene Hund relativ gut."
Ellen Kienzle, Professorin für Tierernährung an der LMU München

Ellen Kienzle ist Tierärztin und Professorin für Tierernährung an der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Sie sieht die Forschungs-Ergebnisse von Andrew Knight kritisch. Allerdings sagt sie auch, dass gesunde erwachsene Hunde vegan ernährt werden könnten, wenn man es unbedingt wolle. Welpen, heranwachsende Hunde und säugende Hündinnen aber auf keinen Fall.

Mehr Daten für endgültiges Ergebnis

Die Professorin warnt davor, die Studie als Beleg zu nehmen, dass vegane Ernährung gut oder besser für Hunde sei. Dafür müssten längere Futterstudien erhoben werden und nicht nur Tierhalter:innen befragt werden.

Ein großes Problem ist nämlich: Bestimmte Nährstoffe wie zum Beispiel Eisen aus Pflanzen, können schlechter vom Körper aufgenommen werden als etwa Eisen aus Blut oder Muskeln. Die Menge der in Fleisch enthaltenen Nährstoffe lässt sich demnach nicht einfach durch pflanzliche Produkte ersetzen.

"Hunde sind keine reinen Fleischfresser, sondern Allesfresser. Inzwischen haben sie sich sehr angepasst an unseren menschlichen Speiseplan."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Viele Tierärzt:innen sagen inzwischen, dass Hund durchaus ohne Fleisch auskommen können. Besser als vegane Ernährung sei aber eine vegetarische Ernährung mit Ei und Milchprodukten wie Hüttenkäse oder Quark.Wer komplett auf tierische Produkte verzichten will, sollte darauf achten Zusätze wie B12 im Futter zu integrieren.

Hunde haben sich angepasst

Hunde haben sich im Laufe der Zeit sehr an den menschlichen Speiseplan angepasst und beispielsweise Enzyme entwickelt, mit denen sie die Stärke aus Kartoffeln oder Brot abbauen können. Wölfe haben solche Enzyme eben nicht.

"Bei der Katze ist es klar ausgeschlossen, die Katze ist ein spezialisierter Fleischfresser, die tierische Nahrung braucht."
Stefanie Handl, Tierärztin

Gleiches gilt allerdings nicht für Katzen. Tierärztin Stefanie Handl warnt: Katzen sind spezialisierte Fleischfresser. Denn sie brauchen tierische Proteine und Substanzien wie Taurin, das sie nicht selbst herstellen können. Darum müssen sie all diese Substanzen über die Nahrung aufnehmen – sonst kommt es zu Mangelerscheinungen.

Auch der Deutsche Tierschutzbund rät davon ab, die eigene Katze vegan oder vegetarisch zu ernähren.

Tierwohl nicht zwingend besser

Übrigens: veganes oder vegetarisches Tierfutter ist nicht unbedingt besser für das Tierwohl. Denn für das Fleisch, das in herkömmlichen Futterdosen drin ist, werden keine zusätzlichen Tiere geschlachtet.

"Für das Fleisch in normalem Hunde- und Katzenfutter werden in der Regel keine Nutztiere extra geschlachtet, sondern Schlachtnebenprodukte verwendet, die wir Menschen nicht essen."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk Nova

Da diese Schlachtnebenprodukte also sowieso anfallen, ist die Ökobilanz von Haustieren auch besser als bisher gedacht. Das hat das Schweizer Unternehmen ESU-Services ausgerechnet.

Fleisch oft Höhepunkt für Tiere

Tierärztin Ellen Kienzle gibt außerdem allen Tier-Besitzer:innen mit: Das Futter ist das Highlight des Haustieres. Katzen und Hunde haben von Natur aus Fleisch auf ihrem Speiseplan stehen. Man sollte sich gut überlegen, das Fleisch vom Speiseplan zu streichen, solange nicht eindeutig untersucht ist, wie gut die Tiere das wirklich vertragen - und solange es in ausreichender Menge Schlachtabfälle gibt.