Maximilian Wendt hat jahrelang als Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger gearbeitet. Er sagt: Die Überlastung ist das größte Problem. Chancen auf Besserung gebe es nur, wenn die Politik eingreift.

Vielleicht hat im Krankenhaus schon mal jemand eine schlechte Pflege erlebt, war unzufrieden mit der Betreuung, die Krankenschwestern waren unfreundlich und hatten nie Zeit.

Wer an einem Perspektivwechsel interessiert ist: Das könnte auch an der Arbeitssituation im Pflegebereich liegen. Manche Pflegerinnen und Pfleger arbeiten 16 Tage am Stück ohne einen Tag frei, machen Überstunden und haben während ihrer Schicht kaum Möglichkeiten, mal eine Pause zu machen, oder aufs Klo zu gehen.

Im Extremfall wird die Belastung so groß, dass die Patienten das abbekommen.

"Irgendwann sind wir alle vom Pflegenotstand betroffen."
Maximilian Wendt, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger

Maximilian Wendt, ehemaliger Krankenpfleger, berichtet in seinem Buch "Warum die Pflege in Not ist: Erfahrungsberichte eines Gesundheits- und Kinderkrankenpflegers" von seinen Erfahrungen aus unterschiedlichen Krankenhäusern und Pflegeheimen und unterschiedlichen Stationen.

Seine Analyse: Neben Problemen, die es in jedem Unternehmen gibt, wie zu ausgeprägte Hierarchien oder auch Mobbing, ist es vor allem die Arbeitsüberlastung, die die Arbeit der Krankenpfleger so schwierig macht und am Ende auch die Pflegequalität für die Patienten verringert.

"Einen Dienstplan in der Pflege zu erstellen, ist wie der Versuch, ein Sieb daran zu hindern, Wasser durchzulassen."
Maximilian Wendt, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger

Zu wenig Personal für zu viele Patienten ist das eine Problem. Das andere: Wenn Krankenschwestern und Pfleger krank werden, gibt es keinen Ersatz. "Das interessiert erst mal niemanden", sagt Maximilian. Und er erzählt, dass auf einer Station jede einzelne Mitarbeiterin freiwillig auf ihr Weihnachtsgeld verzichtet hätte, um eine 450-Euro-Kraft einzustellen.

Maximilian hält es für wahrscheinlich, dass es generell zu wenige Menschen gibt, die im Pflegeberuf arbeiten wollen. Er sagt aber auch: Vermutlich kämen auch einige zurück in den Beruf, wenn sich die Bedingungen ändern. Und genau das ist das Problem: Die Bedingungen können sich nur ändern, wenn auch mehr Menschen wieder Krankenschwester und -pfleger werden.

Krankenhäuser arbeiten Gewinn maximierend

Dafür muss sich eine Sache aber sowieso grundlegend ändern: Die Tatsache, dass Krankenhäuser profitorientiert arbeiten und gar kein Interesse an ausreichend Pflegern haben. Hier müsse der Gesetzgeber etwas ändern: Mit festen Quoten Pfleger/in pro Patient.