Wir formen die Lippen rund und spitzen sie, wir öffnen den Mund und setzen die Zunge ein, wir spannen die Lippen und knabbern und und und... Warum der Mensch küsst und welche Prozesse dadurch in Gang gesetzt werden, klären die Kussforscher - die Philematologen.

Ein Kuss-Video verbreitete sich viral seit dem 10. März - was eigentlich als Werbegag gedacht war. Menschen, die sich das erste Mal sehen, sollen sich küssen. Nach einer anfänglichen Scheu knutschen sich Mann und Frau - irritierend und berührend.

Warum fasziniert Millionen von Menschen auf der Welt dieses Video? Warum küssen wir überhaupt? Philematologen, Kussforscher, versuchen der Sache auf den Grund zu gehen. Wenn sie einen Kuss beschreiben, dann klingt das so: Jochbeinmuskel und Oberlippenheber bewegen sich, gleichzeitig werden Unterlippensenker und Mundwinkelsenker nach unten gezogen. Der kontrahierte Musculus orbicularis oris wird auf ein Lippenpaar in ähnlicher Stellung gepresst - fertig ist der Kuss.

Muskelkontraktion mit Wohlfühleffekt

An einem Kuss sind ungefähr 140 Muskeln beteiligt, dabei werden rund sieben Kalorien pro Minute verbraucht. Männer küssen sehr zielgerichtet, das heißt sie wollen mehr als nur küssen. Frauen dagegen suchen im Kuss eher eine Bestätigung der sozialen Bindung.

Meist küssen wir aus Liebe, Zuneigung oder Freundschaft heraus. In der Evolution hat sich wahrscheinlich der Kuss aus der Nahrungsübergabe der Eltern an die Nachkommen entwickelt. Dabei leisten wir indirekt einen Beitrag zur Immunisierung, wir tauschen Viren und Bakterien aus und halten so unser Immunsystem fit.

​"Ich finde, es ist viel schöner zu sagen, es ist ein Mittel der Partnerwahl. Also man kennt das ja vielleicht, dass wenn man jemand geküsst hat, die Anziehung zu der Person viel größer ist."
Horst Wenzel, Philematologe

Beim Küssen kommen wir uns so nah wie sonst nie: Wir riechen, schmecken und fühlen die andere Person. Außerdem wird beim Küssen Oxytocin, ein sehr starkes Bindungshormon, Dopamin und Serotonin ausgeschüttet. Unterm Strich fühlen wir uns beim Küssen einfach sehr gut, erklärt der Philematologe Horst Wenzel

Weitere Informationen:

Kussforschung: Drum küsse, wer sich ewig bindet
faz.net vom 27.04.2011