Wer in seinem Heimatland politisch verfolgt wird, hat gute Chance, in Deutschland bleiben zu dürfen. Wer einfach kommt, um ein besseres Leben zu führen, hat keinen Anspruch darauf. Ist doch logisch! Oder?

Fast 1,1 Millionen Menschen sind im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen, darunter viele syrische Flüchtlinge, aber auch Menschen aus anderen Ländern, wie Irak, Afghanistan oder Marokko. Letztere kommen, obwohl ihre Chance auf ein Bleiberecht in Deutschland in den meisten Fällen sehr gering ist. Nachdem die Bundesregierung beschlossen hat, die drei Maghreb-Länder Tunesien, Algerien und Marokko als sichere Herkunftsländer einzustufen, werden ihre Asylanträge wohl noch schneller abgewiesen als bisher.

Uns erscheint es selbstverständlich, dass unser Land Menschen, die vor Krieg fliehen, immigrieren lässt, während es solche, die "nur" bessere ökonomische Lebensbedingungen suchen zurückweist. Aber: Woher nimmt ein Staat eigentlich dieses Recht?

"Es werden Einwanderungspolitiken entwickelt, die auf die eigenen Interessen reicher Aufnahmestaaten zugeschnitten sind."
Andreas Niederberger, Philosoph

"Wer darf unter welchen Bedingungen kommen oder zurückgewiesen werden?" Diese Frage stellt das Forschungsprojekt "Ethik der Immigration", das im Oktober 2015 gemeinsam von der Uni Duisburg-Essen, der Ruhr-Uni Bochum, der TU Dortmund und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen (KWI) gestartet wurde.

"Die Sicherung der Kontrolle über Migration hängt offensichtlich eng mit der ökonomischen und politschen Ordnung der Welt zusammen, und sie soll dazu beitragen, dass diese Ordnung mit ihrer Aufteilung zwischen Nord und Süd erhalten bleibt."
Andreas Niederberger, Philosoph

Andreas Niederberger, Professor für Philosphie mit dem Schwerpunkt Praktische Philosophie an der Uni Duisburg-Essen, ist einer der Projektleiter dieses Forschungsvorhabens. Er macht in der Philosophie einem Mangel an Forschung zum Thema Immigration aus. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung für das Projekt hat er die Entwicklung und den Stand der philosophischen Migrationsdebatte vorgestellt und dabei eine Menge Fragen ausgemacht, die es zu klären gebe.

"Dürfen Menschen, Gemeinschaften oder Staaten Grenzen errichten, also andere vom Zugang zu einer Gemeinschaft, einem Staat oder einer überstaatlichen Organisation ausschließen?"
Andreas Niederberger, Philosoph

"Ethik der Immigration" so hieß die Veranstaltung, die am 02. Dezember 2015 vom KWI veranstaltet wurde und in dessen Rahmen Andreas Niederberger den Hörsaal-Vortrag gehalten hat.

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