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Backspin macht den Flug von Bierdeckeln so flattrig. Das haben Bonner Physiker untersucht. Im weiteren Sinne ist das Grundlagenforschung, sagt einer von ihnen. Um die Sache richtig perfekt zu machen, haben sie auch noch eine Wurfmaschine gebaut.

Nach einer halben Sekunde ist es mit dem schönen Flug des Bierdeckels auch schon wieder vorbei: Gravitation, Auftrieb und Drehimpuls-Erhaltung verhindern, dass die Pappscheibe schön und gerade – geworfen wie eine Frisbee – ihren Weg fliegt.

Aufstand im Flug

Am Boden käme der Bierdeckel aufgrund des Backspins sogar wieder zurückgerollt zum Werfenden, erklärt der Physikdoktorand Johann Ostmeyer. Das ist charakteristisch für alle runden, flachen Gegenstände. Er arbeitet am Helmholtz-Institut für Strahlen- und Kernphysik in Bonn.

"Der Bierdeckel fängt an, sich aufzustellen, sodass er senkrecht in der Luft steht und sich wie ein Rad mit Backspin dreht."
Johann Ostmeyer, Physikdoktorand, Helmholtz-Institut für Strahlen- und Kernphysik, Bonn

Gemeinsam mit Christoph Schürmann und Carsten Urbach hat er die Flugeigenschaften von Bierdeckeln untersucht. Die Forscher haben ihre Ergebnisse unter dem Titel "Beer Mats make bad Frisbees" im European Physical Journal veröffentlicht. Präzise werfen lassen sich Bierdeckel dann, wenn sie direkt mit einer Drehung starten. Johann Ostmeyer sagt: "Es ist natürlich viel einfacher, wenn man weiß, was der Bierdeckel will und direkt mit Backspin wirft. Denn dann fliegt er einfach geradeaus weiter."

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Gemeinsam habe die Forscher eine Bierdeckelwurfmaschine gebaut. Ihre Maschine verschießt nur runde Bierdeckel einer bestimmten Größe. Grundsätzlich sei das Flugverhalten verschiedener Deckeltypen ganz ähnlich.

Maschine für Präzisionswürfe

Seine Kollegen und er könnten zwar auch mit den Händen werfen, aber sie seien Theoretiker. Johann Ostmeyers Begründung für den Bau des Geräts: "Wir können das nicht so gut reproduzieren. Deswegen haben wir uns die Maschine gebaut." Die Präzision der Maschine übertreffe die eigenen Wurffähigkeiten, sagt der Physiker.

"Die Bierdeckelwurfmaschine schießt immer gleich. Das können wir einstellen – fünf Meter weit. Und sie trifft jedes Mal einen Radius, der vielleicht 20 Zentimeter groß ist."
Johann Ostmeyer, Physikdoktorand, Helmholtz-Institut für Strahlen- und Kernphysik, Bonn

Für die Untersuchung dieses sehr spezifischen Gegenstands und seines Flugverhaltens und den Bau der Maschine sieht Johann Ostmeyer mindestens zwei Gründe: Einerseits sei dieses Thema von allgemeinem Interesse. Andererseits, sagt er: "Man weiß bei Grundlagenforschung, so bezeichnet ich das hier mal dreist, lange nicht, wofür sie gut ist."

"Das ist Forschung. Man möchte einfach verstehen, was passiert. Später stellt man fest: Ach, genau dieses eine Dingens, das ist jetzt weltbewegend."
Johann Ostmeyer, Physikdoktorand, Helmholtz-Institut für Strahlen- und Kernphysik, Bonn