Ein Pilotprojekt zur Öffnung von Kulturevents klingt gut. Welchen Mehrwert hat so eine Initiative aber, die nicht wissenschaftlich begleitet wird und deren Daten nicht ausgewertet werden?

Mal wieder auf ein Konzert gehen, im Club verschwitzt bis in den morgen tanzen oder sich einfach mal wieder ein Theaterstück ansehen – viele uns sind regelrecht ausgehungert nach kulturellen Veranstaltungen und sehnen sich nach Unterhaltung und Inspiration.

Berlin wagt den Schritt: Am Freitag (19.03.2021) beginnt das Pilotprojekt 'Testing', bei dem neun Kulturveranstaltungen stattfinden sollen: Theater, Sinfonie-Konzert und ein Konzert im Club 'Säälchen' zählen dazu.

Zur Eintrittskarte gehört ein Test

Das Theaterstück 'Panikherz' im Berliner Ensemble ist am Freitagabend (19.03.2021) die erste Aufführung, die stattfinden darf. Dann folgen bis Anfang April weitere Kulturveranstaltungen.

Generell gilt: Wer in den Club, in die Philharmonie oder das Theater eingelassen werden will, muss sich vorher die Eintrittskarte kaufen und seinen Namen angeben. Außerdem müssen sich die Eintrittskartenbesitzer und -besitzerinnen am Tag des Events testen lassen, fasst unsere Reporterin Christina Sartori das Konzept zusammen.

Dafür werden in mehreren Testzentren Kapazitäten für die Besucher der Kulturveranstaltungen freigehalten. Das Gute daran: Der Test ist im Preis der Eintrittskarte enthalten, zahlen muss man dafür also nicht.

Schnelltest, Personalausweis und Eintrittskarte

Wer hineingelassen möchte, muss eine Eintrittskarte, sein Testergebnis, das er oder sie auf das Handy geschickt bekommt, und den Personalausweis dabei haben. Bei dem Sars-CoV-2-Test handelt es sich um einen Schnelltest: Es dauert also nur rund 15 bis 30 Minuten bis das Testergebnis feststeht.

Wer positiv getestet wird, wird natürlich nicht eingelassen. Der- oder diejenige sollte dann schnellstmöglich einen PCR-Test machen lassen, um ein wirklich sicheres Ergebnis zu erhalten.

Ein Abend im Club: nicht tanzend, sondern sitzend

Bei den Events müssen Masken getragen und der notwendige Abstand eingehalten werden. Im Theater, in der Philharmonie ist vorgegeben, wo die Zuschauer jeweils sitzen dürfen, damit genügend Abstand zum Nächsten besteht.

Auch bei Musikveranstaltungen im Club müssen die 60 Zuhörer mit einer medizinischen oder mit einer FFP2-Maske auf einem vorgegebenen Platz sitzen. Einfach mal abtanzen, ist also leider nicht möglich.

Ohne Daten keine fundierte Aussage möglich

Unser Reporterin Christina Sartori ging davon aus, dass solch ein Pilotprojekt durchgeführt wird, um zu prüfen, wie sicher die Veranstaltungen sind. Also, um zum Beispiel herauszufinden, wie viele Menschen sich bei solchen Kulturevents anstecken. Daher war sie überrascht, als sie erfahren hat, dass das Projekt nicht wissenschaftlich begleitet wird, das heißt also, das keine Analyse von Daten geplant ist.

Christina Sartori kritisiert, dass Projekt, so wie es aktuell in Berlin durchgeführt wird, keine wissenschaftlich fundierten Argumente liefern kann, um möglicherweise unabhängig von einer Inzidenzzahl Clubs, und Theater wieder öffnen zu können.