Der Archäologe Charles Dawson hat Jahre damit verbracht, im Dreck zu sitzen und Knochenreste frei zu pinseln. Die Wissenschaft hat noch mehr Zeit damit verbracht, herauszufinden, was sich dieser Archäologe hat einfallen lassen, um 1912 zum Star zu werden. Nun ist der Hoax um den gefälschten Frühmenschen Piltdown Man geklärt.

Die Sensation 1912

Der Archäologe Charles Dawson meldete dem British Museum seinen Fund: Unterkiefer-Knochen mit Zähnen und Teile einer Schädelplatte, dazu Werkzeug - gefunden in einer Kiesgrube. Anthropologen schätzen das Alter auf fünf bis zwei Millionen Jahre. Und sie sprechen von einem fehlenden Verbindungsstück zwischen dem Affen und den Menschen. Wenige Jahre später findet Dawson noch einmal ganz in der Nähe ähnliche Fossilien. Die Presse spricht - nach dem Fundort Piltdown - vom Piltdown-Man. Die Wissenschaft ehrt den Finder und nennt das Fossil: Eoanthropus Dawsoni. Es ist eine Sensation.

Die Erkenntnis 1952: alles eine Fälschung

Erst mit einer erneuten Untersuchung 1953 stellen Wissenschaftler fest: die ganze Sache ist ein Fake. Unterkiefer und Zähne stammten vom Affen, die Schädelplatten waren zwar menschlich, aber nicht ur-menschlich, sondern modern. Die Werkzeuge, die angeblich vom Piltdown man benutzt wurden, waren teilweise aus Elefanten-Knochen geschnitzt - und zwar mit einer modernen Stahlklinge. Wer aber der Fälscher dieser Arbeit war, blieb vorerst ungeklärt.

Die Affenzähne wurden aus dem Kieferknochen rausgebrochen und abgefeilt, die Schädelteile mit Gips zusammengeklebt, alle Knochen mit der gleichen Farbe angemalt.
Veronika von Borries über die mutmaßlichen Fälschermethoden von Charles Dawson

Nun ist klar: Der Fälscher ist der Entdecker

Nun wurden neue Untersuchungen durchgeführt, um endlich auch die Frage nach dem Urheber der Piltdown Man-Fälschung klären zu können. Dabei zeigte sich, dass alle Bestandteile von dem gleichen Urheber behandelt worden waren. Und dieser Urheber war wahrscheinlich auch sein Entdecker, nämlich Charles Dawson selbst. Er kannte die Forschungsdebatte, er wusste, dass die Wissenschaft auf der Suche nach der Verbindung zwischen Mensch und Affe war und: Fossilienfunde tauchten nur auf, wenn Dawson in der Nähe war. Mit seinem Tod endeten sie schließlich ganz.

Vermutlich war die Suche nach Ruhm und Anerkennung das Motiv für diesen riesen Hoax. Charles Dawson hatte Jahre seines Lebens damit zugebracht, alte Knochen auszubuddeln, hatte dutzende wissenschaftliche Beiträge veröffentlicht, war dafür aber nie wirklich anerkannt worden. Sein Lebenstraum war es, in die königliche Wissenschaftsgesellschaft, die Royal Society of Science, aufgenommen zu werden. Dafür brauchte er so eine Sensation. Fast wäre er auch aufgenommen worden, wenn er nicht 1916 gestorben wäre.