In Deutschland gibt es mehrere tausend Pilzsorten, rund 200 von ihnen sind giftig. Viele davon haben gefährliche Doppelgänger – so sieht etwa der weitverbreitete Knollenblätterpilz dem harmlosen Wiesenchampignon zum Verwechseln ähnlich. Wer ihn isst, kann daran sterben.

Für mehr als 90 Prozent der tödlich verlaufenden Pilzvergiftungen in Deutschland ist er verantwortlich: der Knollenblätterpilz. Er wird häufig mit dem Wiesenchampignon verwechselt. Denn selbst für erfahrene Pilzsammler sei die Verwechslungsgefahr sehr hoch, warnt Andreas Schaper, Leiter des Giftinformationszentrum-Nord. Hauptunterscheidungsmerkmal sind die weißen Lamellen. Der Champignon hingegen hat immer rosafarbene oder bräunliche Lamellen.

Vergiftung: Erste Symptome

In Nordrhein-Westfalen hat eine 28-jährige Frau eine Knollenblätterpilz-Vergiftung nicht überlebt. Das sei kein Einzelfall, sagt Andreas Schaper. Während der Pilzsaison komme es immer wieder zu schweren Vergiftungen. Wenn nicht schnell genug gehandelt werde, führe das vereinzelt zum Tod. Tückisch für den Knollenblätterpilz sei, dass die Beschwerden nicht sofort einsetzen. Erste Symptome, wie Erbrechen, Durchfall, Bauchkrämpfe und Übelkeit, treten erst nach sechs bis zwölf Stunden ein.

"Der Klassiker ist: Man isst abends ein Pilzgericht und am nächsten Morgen hat man Übelkeit, Erbrechen, Durchfall. Das hört sich dann sehr nach einer Knollenblätterpilz-Vergiftung an."
Andreas Schaper, Leiter des Giftinformationszentrum-Nord

Pilzgift greift die Leber an

Dann müsse schnell gehandelt werden, sagt der Experte. Denn es könne relativ schnell zu Leber- und Nierenversagen kommen. Die Gifte des Knollenblätterpilzes, die Amatoxine, zerstören in kurzer Zeit die Leberzellen. Etwa ein Drittel aller Vergiftungen führen zum Tod. Eine Knollenblätterpilz-Vergiftung kann aber auch erfolgreich behandelt werden.

Alle Pilzreste müssen so schnell wie möglich aus dem Magen-Darm-Trakt entfernt werden, dann wird mit einem Gegengift die Aufnahme des Pilzgiftes in die Leberzellen verhindert. Mit Aktivkohle versuchen Ärzte zusätzlich, das Gift im Körper zu binden, um so die Leberzerstörung zu stoppen.

"Wenn man sich frühzeitig in ärztliche Behandlung begibt, kann man das behandeln. Zum Beispiel mit Aktivkohle, um die Giftstoffe zu binden. Und es gibt auch ein spezifisches Gegengift."
Andreas Schaper, Leiter des Giftinformationszentrum-Nord

Die Deutsche Gesellschaft für Mykologie (DGFM) warnt Pilzsammler, sich nicht auf Bücher oder Apps zu verlassen. Und beim geringsten Zweifel lieber auf die Pilzmahlzeit zu verzichten.