Millionen von Heuschrecken überziehen Äthiopien, Kenia und Somalia und fressen die Felder kahl. Die Schwärme sind teils bis zu 60 Kilometer lang und 40 Kilometer breit. Der Wandertrieb der Insekten wird auch durch ein Hormon verstärkt, so der Insektenkundler Jens Esser.

Die Heuschrecken, die zurzeit Ostafrika quasi überfallen, sind Wüstenheuschrecken. Diese Art lebt permanent in der Region - und das Schwarmverhalten der Tiere ist auch nichts außergewöhnliches. Schon die Larven der Wüstenheuschrecke entwickeln Schwarmverhalten, sogar wenn sie noch nicht fliegen können und zu Fuß unterwegs sind, sagt Jens Esser. Er ist Biologielehrer und forscht in seiner Freizeit zu Insekten. Spezialisiert hat er sich auf eine bestimmte Käferart, die auch in Ostafrika vorkommt.

Heuschrecken fressen alles kahl

Dass sich die Tiere jedoch zu Millionen versammeln und wandern, das passiert nicht ständig. Zum Glück. Doch zurzeit sind die Bedingungen für die Heuschrecken gut und ihre Zahl wächst. Das bedeutet, dass an einzelnen Orten Nahrungsmangel eintreten kann und die Tiere dann wandern. "Die große Population kann oder ist dann der Auslöser für Schwarmverhalten", sagt Jens Esser.

Zwei Wüstenheuschrecken sitzen aufeinander.
© Imago | Nature Picture Library
Die Wüstenheuschrecke kann immer wieder zur Plage werden, wenn die Insekten millionenfach wandern und Felder kahl fressen.

Das Schwarmverhalten verstärkt sich in großen Populationen. Denn je häufiger Heuschrecken Berühungskontakt zu Artgenossen haben, desto mehr wird der Botenstoff Serotonin ausgeschüttet, so Jens Esser. Auch beim Menschen kommt dieses Glückshormon vor.

Bei den Wüstenheuschrecken führt das Hormon dazu, dass sich die Tiere in ihrem Aussehen leicht verändern. "Sie entwickeln sich dann mehr in Richtung wanderndes flugfähiges Insekt, zumindest die erwachsenen Tiere", sagt Jens Esser. "Und die Insekten verändern eben auch ihr Verhalten." Die Heuschrecken entwickeln einen Wandertrieb.

"Je häufiger Heuschrecken Kontakt zu anderen haben, wird Serotonin ausgeschüttet. Das entwickelt diesen Wanderdrang."
Jens Esser, Insektenforscher

Wenn die Heuschrecken dann in großen Schwärmen wandern, fressen sie eben alles, was ihnen begegnet. Vor allem Hirse, die in den Ländern Ostafrikas ein wichtiges Nahrungsmittel ist. Aber die Insekten fressen auch generell alle Gräser.

"Die Heuschrecken essen bedauerlicherweise genau das gleiche, was Menschen gerne essen."
Insektenforscher Jens Esser, Mitglied der Entomologische Gesellschaft Orion Berlin

Um solchen Schwärmen präventiv zu begegnen, braucht es Frühwarnsysteme. Das heißt, die Populationen werden beobachtet, um eine massenhafte Vermehrung und dann in der Folge eine Wanderung zumindest frühzeitig zu erkennen. Gegen die riesigen Schwärme, die zurzeit unterwegs sind, gibt es jetzt kaum hilfreiche Maßnahmen.