Die Corona-Zahlen steigen. Eine Idee, um sie wieder zu senken, lautet "Plan C": jeden Monat eine Woche lang Rückzug in den freiwilligen Lockdown. Die anderen drei Wochen des Monats ginge das Leben dafür halbwegs normal weiter.

Eine von vier Wochen im Monat zurückziehen und möglichst wenige andere Menschen treffen. Freiwillig. Der Rest des Monats verläuft einigermaßen normal, soweit das möglich ist. Kann dieser "Plan C" helfen, die Pandemie zum Erliegen zu bringen? Marcus Ewald, von dem die Initiative kommt, ist davon überzeugt. Der Krisenmanager, der auch Gast im Bundesvorstand des CDU-Wirtschaftsrates ist, nennt drei Gruppen von Menschen, die unterschiedlich mit der Coronakrise umgehen.

  • Wunschdenker, die glauben: Der nächste Lockdown ist bestimmt der letzte, den wir brauchen, und danach wird alles wieder gut
  • Leute, die die Pandemie verdrängen und gegen notwendige Gegenmaßnahmen verstoßen oder sie vergessen – nicht unbedingt aus bösem Willen, sondern weil sie nicht mehr anders können, weil es Notfälle gibt oder der Beruf es erfordert
  • Realisten, die nach Lösungen suchen

Die bisherigen Maßnahmen hätten die Pandemie nicht zum Erliegen gebracht. Dieser Frust, dass ein Ende noch nicht abzusehen ist, erhöhe die Zahl der Verdränger.

"Warum haben nicht alle gleichzeitig ihre Tage?"

Ewald selbst bezeichnet sich als Realist. Die Idee für den "Plan C" sei ihm erst vor kurzem gekommen. Weil seine Frau ihre Periode hatte, hatte sie sich zurückgezogen und ausgeruht. Warum nicht alle Menschen gleichzeitig ihre Tage haben könnten, habe sie ihn dann gefragt. Das wäre doch sinnvoll, dann könnten alle mal ein bisschen entspannen.

"Meine Frau hat gefragt: Warum können eigentlich nicht alle gleichzeitig ihre Tage haben? Da bin ich aufgesprungen und hab gesagt: Das ist es."
Marcus Ewald, Krisenmanager
Marcus Ewald rechnete das Ganze aus und kam zu dem Schluss: Tatsächlich, es würde funktionieren.

Die erste Woche, indem der Plan C in die Tat umgesetzt werden soll, ist die Woche vom 8. bis 14. November, die zweite im Monat darauf dann die vom 13. bis 19. Dezember. Es sei also möglich, das einzuplanen, sagt Ewald. In der ersten Woche sollen Daten erhoben werden, um zu schauen, wie gut das Ganze überhaupt funktioniert.

Eine Woche freiwilliger Lockdown

Angesprochen seien alle diejenigen, die merken, dass sie so nicht weitermachen können: Unternehmerinnen und Unternehmer, Künstlerinnen und Künstler, Schülerinnen und Schüler, Studierende. Diese Menschen könnten beweisen, dass es möglich ist, sich ein Stück Kontrolle über ihr Leben zurückzuholen. Ewald nennt das eine "Selbstermächtigung in dieser alles beherrschenden Krise".

"Plan C" sei eine Grassroots-Bewegung. Die Leute müssten von selber entscheiden mitzumachen. Genau hier sieht auch Andrew Ullmann, FDP-Obmann im Gesundheitsausschuss, das Problem: Die Idee sei zwar reizvoll, sagte er im ZDF. Allerdings sei unklar, ob genug Menschen mitmachen.

Kommt der "Lockdown light"?

Vielleicht wird sich die Möglichkeit, freiwillig in den Lockdown zu gehen, aber noch ein bisschen nach hinten verschieben. Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten beraten heute über neue, strengere Corona-Maßnahmen: Wenn sie einen "Lockdown Light" beschließen, müssten wahrscheinlich unter anderem Kneipen, Restaurants und Fitnessstudios wieder schließen. Events wären größtenteils verboten und private Treffen würden weiter heruntergefahren.