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Ein Jahr nach dem rassistischen Anschlag in Hanau mit neun Mordopfern hat die Journalistin Sham Jaff zusammen mit Kolleginnen einen Podcast über das Hanau-Attentat produziert. Die Angehörigen kommen hier in teils sehr persönlichen Gesprächen zu Wort.

Denkt die Journalistin Sham Jaff an den 19. Februar 2020 zurück, der Tag, an dem ein rassistisch motivierter Attentäter neun Menschen in Hanau erschossen hat, dann spürt sie noch immer Wut und Trauer, aber auch Angst, sagt sie. Menschen mit sogenanntem Migrationshintergrund würden sich insbesondere seit Hanau unsicher in Deutschland fühlen. Während der Arbeit an ihrem Podcast habe sich auch gezeigt, dass Hanau manche Menschen völlig unberührt lasse.

"Menschen – mit sogenanntem Migrationshintergrund – wie ich fühlen sich insbesondere seit Hanau unsicher in Deutschland, während andere das völlig unberührt gelassen hat. Das beunruhigt mich sehr."
Sham Jaff, Journalistin

Zusammen mit ihren Kolleginnen Şeyda Kurt, Alena Jabarine und Viola Funk hat Sham Jaff zum Jahrestag von Hanau den sechsteiligen Podcast "190220 – Ein Jahr nach Hanau" produziert.

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Der Podcast arbeite auf zwei Ebenen: auf einer analytischen und auf einer emotionalen, sagt Sham. Auf der emotionalen Ebene stehen die Angehörigen der Opfer und die Überlebenden im Fokus – mit sehr intimen Interviews. Ihr Leben werde nie wieder so sein wie vorher. Sie seien wütend, traurig und enttäuscht. Sham ist der Meinung, dass wir das alle in Deutschland sein sollten.

"Die Angehörigen und Überlebenden sind wütend, traurig, enttäuscht und ehrlich gesagt, das sollten wir alle in Deutschland sein."
Sham Jaff, Journalistin

Auf der anderen Ebene versuchen die Journalistinnen den rechtsterroristischen Anschlag in einen größeren Kontext zu setzen und dabei einige offene Fragen anzureißen und weitere zu beantworten. Dabei gehe es nicht nur darum, was an diesem Tag passiert sei, sondern auch um die Frage, was das mit unserer Gesellschaft mache, sagt Sham.

Hanau-Attentat: viele Fragen offen

Noch immer seien zentrale Fragen offen, die auch im Podcast thematisiert werden – zum Beispiel: Was ist in der Tatnacht passiert? Wieso war der Notausgang in der Arena, dem letzten Tatort, versperrt? Warum war die Notrufzentrale in der Tatnacht nicht durchgehend oder nicht ausreichend besetzt? Wieso wurde der Attentäter nicht als rechtsextremer Gefährder eingestuft?

Nicht jede Frage lasse sich – Stand heute – beantworten, noch laufen die Ermittlungen. Geht es aber um die Gefühle der Familienangehörigen und um ihre Forderungen, da gebe es klare Antworten im Podcast, sagt Sham.

Hanau leider keine Ausnahme

Mit Blick auf das Gedenken wünscht sich die Journalistin, dass das Hanau-Attentat nicht als eine Besonderheit hervorgehoben wird. Denn leider sei das, was dort passiert sei, gar nicht so besonders. Dafür habe der Rechtsextremismus in Deutschland eine zu lange Geschichte.

Hanau stehe in einer Reihe mit Solingen, Mölln, Rostock-Lichtenhagen, Halle oder den NSU-Attentaten, um nur einige Beispiele zu nennen. Sham Jaff hält es für wichtig, dass mehr Menschen davon wissen und dass die reale Bedrohung durch Rechts und durch den strukturellen Rassismus hierzulande auf der Agenda bleiben.

"Ich würde mir sehr wünschen, dass mehr Menschen hierzulande davon Bescheid wissen und dass die reale Bedrohung durch Rechts und der strukturelle Rassismus in Deutschland auf der Agenda bleiben."
Sham Jaff, Journalistin