Schon heute gibt es kaum ein Land, das schärfere Abtreibungsgesetze als Polen hat. Vielen Bürgern und vor allem der katholischen Kirche geht das aber noch nicht weit genug. Sie wollen Schwangerschaftsabbrüche in jeder Form verbieten. Doch viele Polen wehren sich.

In Polen sind Abtreibungen gerade ein großes Thema. Es wird heftig diskutiert und demonstriert. Die katholische Kirche und eine Volksinitiative fordern, Schwangerschaftsabbrüche fast vollständig zu verbieten. Dagegen haben am Wochenende in Warschau und anderen Städten tausende Befürworter legaler Schwangerschaftsabbrüche protestiert. Sie wollen jetzt eine eigene Volksinitiative starten.

Zurzeit gilt in Polen: Bei Vergewaltigungen, wenn das Leben der Mutter in Gefahr oder wenn schwere Schädigungen des Fötus zu erwarten sind, ist es bis zur 25. Schwangerschaftswoche erlaubt, abzutreiben, erklärt unser Korrespondent Henryk Jarczyk. Alles andere ist verboten.

"Es ist wahnsinnig schwierig, in Polen tatsächlich abzutreiben."
Henryk Jarczyk, Korrespondent in Polen

Die Folge: Viele Polinnen gehen für eine Abtreibung ins Ausland oder nehmen illegale Hilfe in Anspruch. Zurzeit gibt es in Polen legal 500 bis 600 Abtreibungen pro Jahr. Die Dunkelziffer dürfte aber weit höher liegen, sagt Henryk Jarczyk. Mit fatalen Folgen: Gerade arme Polinnen riskieren ihr Leben, weil sie sich für eine Abtreibung Pfuschern anvertrauen.

Trotz allem will die katholische Kirche und andere Abtreibungsgegner auch noch die letzten Möglichkeiten zur Abtreibung verbieten. Für Ärzte würde dann gelten: Sie blieben nur dann straffrei, wenn sie beim Versuch, das Leben der Mutter zu retten, den Fötus abtöteten. Alles andere wäre eine Straftat.

Regierung ganz auf Linie der Kirche

Die aktuelle Regierung in Polen ist extrem konservativ und so ist für die führenden Politiker klar: Sie liegen in der Abtreibungsfrage ganz auf Linie der Kirche. Und so sagt auch die polnische Premierministerin Beata Szydło: Sie würde eine Initiative zur Verschärfung des Abtreibungsgesetzes unterstützen, wenn es zu einer Abstimmung im Parlament kommen sollte.

Selbst innerhalb der Partei "Recht und Gerechtigkeit" von Jarosław Kaczyński, die zurzeit mit absoluter Mehrheit regiert, dürften sich allerdings Politiker finden, die das ein wenig anders sehen, sagt Henryk Jarczyk. Trotzdem deutet für unseren Korrespondenten viel darauf hin, dass Polen sein Abtreibungsgesetz verschärfen wird.