Auf unserer Welt geht es nicht gerecht zu: ungleiche Wohlstandsverteilung, ungleiche Bewegungsfreiheit, Machtgefälle – das sind nur einige der Beispiele für eine Schieflage, die in Zeiten der Globalisierung immer größer zu werden scheint. Um dem Problem zu begegnen, schlägt die Politikwissenschaftlerin Regina Kreide in ihrem Vortrag vor, die Perspektive von überhöhten Gerechtigkeitsvorstellungen auf das Verstehen von Ungerechtigkeit zu verlagern. 

Das Einkommensgefälle zwischen Reich und Arm nimmt weltweit und innerhalb vieler Länder immer weiter zu. Wie frei wir uns auf dieser Welt bewegen können, unterscheidet sich sehr stark danach, wo wir herkommen und welchen Pass wir haben. 

"Ist ein Leben in Armut oder unter tödlichen Kriegsbedingungen ein Leben in Unrecht?"
Regina Kreide, Politikwissenschaftlerin

"Ist das gerecht?", fragt die Politikwissenschaftlerin Regina Kreide in ihrem Vortrag. Und wenn nicht: "Welche Verpflichtungen folgen daraus für uns?" Vor allem geht es ihr darum, was von politisch-institutioneller Seite her getan werden sollte und kann.

Wie könnte eine gerechte Weltordnung aussehen?

Ein großes Problem dabei:  Es herrsche eine überhöhte Vorstellung von Gerechtigkeit vor, und die habe Schwächen. In ihrem Vortrag schlägt sie deshalb einen Perspektivenwechsel vor: von der Gerechtigkeit auf die Ungerechtigkeit. 

"Normative Standards, auch und gerade Gerechtigkeitsstandards, sind nur eine vorübergehende Erscheinung. Sie können schnell vom Einbruch der Grausamkeit, die unter einer dünnen Decke der Zivilisation schlummert, untergepflügt werden."
Regina Kreide, Politikwissenschaftlerin

Die Politikwissenschaftlerin Regina Kreide lehrt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und ist Mitglied der interdisziplinären Arbeitsgruppe "Internationale Gerechtigkeit und institutionelle Verantwortung" der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die die institutionellen Rahmenbedingungen globaler moralischer Praxis erforscht. Gerechtigkeitstheorien und globale Gerechtigkeit gehören zu ihren Forschungsschwerpunkten. 

Ihren Vortrag "Globale Ungerechtigkeit? Flucht, Grenzen und die Frage nach Verantwortung" hat sie im Rahmen der Akademievorlesungen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften am 7. Dezember 2018 gehalten.

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