Eine brasilianische Brauerei protestiert mit einer ungewöhnlichen Aktion gegen die Brandrodung des brasilianischen Regenwaldes: Je weniger Waldfläche verbrannt wird, desto günstiger ist das Bier.

Neben einer Brauerei, die sich mit einer Kampagne medienwirksam gegen die Politik des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro gestellt hat, gibt es immer mehr Allianzen und Initiativen, die seinen politischen Ansatz kritisieren.

Landwirtschaft ist wichtiger als Umweltschutz, lautete bisher Bolsonaros Devise. Inzwischen sei er von seinem neoliberalen Regierungsstil ein wenig abgewichen, sagt Ivo Marusczyk, ARD-Korrespondent für Brasilien. Bolsonaro betreibe eine fast linke Politik, die an die seines Vorgängers erinnere.

Finanzhilfen während der Pandemie verbessern Umfragewerte

Dank Coronahilfen von 600 Pesos, die für brasilianische Verhältnisse großzügig sind, sind die Umfragewerte des brasilianischen Präsidenten, besonders in den ärmeren Teilen der Bevölkerung, wieder gestiegen.

"Bisher war es so, dass Bolsonaro im Bündnis mit der Agrar-Lobby regiert hat, aber da dreht sich gerade ein bisschen was."
Ivo Marusczyk, ARD-Korrespondent für Brasilien

Inzwischen hat sich eine Allianz von großen Unternehmen der Fleisch- und Sojaindustrie mit Umweltschützern zusammengetan. Diese Initiative wendet sich mit offenen Briefen an die Regierung und fordert, etwas gegen die Zerstörung des Regenwaldes zu tun.

Druck aus Europa

Dieser Vorstoß der Fleisch- und Agrarindustrie hängt auch damit zusammen, dass beispielsweise Frankreich dem Mercosur-Abkommen, ein Freihandeslabkommen zwischen der EU und dem Gemeinsamen Markt Südamerikas, nicht beitrten will, wenn weiterhin so viel Regenwald abgeholzt werde.

Für südamerikanische Konzerne ist Europa ein wichtiger Abnehmer, und eine Distanzierung von bestehenden Abkommen bedeute massiven Druck.

Bisher sei es so gewesen, dass Jair Bolsonaro im Bündnis mit der Agrarlobby regiert habe, aber das ändere sich nun möglicherweise.

"Wenn Frankreich - und auch die Bundesregierung hat sich da sehr klar positioniert - gegen dieses Abkommen ist, dann passt das der brasilianischen Industrie gar nicht in den Kram."
Ivo Marusczyk, ARD-Korrespondent für Brasilien

Die Brandrodung der Regenwälder rege die Brasilianer nicht so sehr auf wie die Europäer, sagt der ARD-Korrespondent. Auch wenn es dort Menschen gebe, die wüssten, was für ein wichtiger Schatz der Regenwald für die ganze Welt sei.

Brandrodung wird von vielen hingenommen

Allerdings hätten viele Brasilianer, die im Süden des Landes lebten, keinen allzu großen Bezug zum Regenwald, der sich im Norden des Landes befindet. Sie würden ihn eher als eine Vorratskammer sehen, an der man sich bedienen könne.

"Für die meisten Brasilianer ist der Regenwald eine unbekannte grüne Hölle im Norden des Landes."
Ivo Marusczyk, ARD-Korrespondent für Brasilien