Der richtige Umgang mit den sozialen Medien will gelernt sein. Das merkt auch die Polizei, die mittlerweile auf den unterschiedlichsten Plattformen unterwegs ist und mit ihren Posts nicht immer nur gut ankommt.

Der Social-Media-Auftritt der Polizei hat sich in den letzten Jahren deutlich vergrößert – und er ist vielfältiger geworden. Neben Facebook- und Twitter-Accounts sind die Polizeien auch auf Instagram, Snapchat und Youtube unterwegs, ja nach Zielgruppe eben.

Was die Professionalität in den sozialen Medien betrifft, sei die Polizei vielen anderen deutschen Institutionen einiges voraus, sagt die Expertin für Behördenkommunikation Christiane Germann. Sie fände es vor allem gut, dass die Polizeien in Social Media auch mal mit einem Augenzwinkern unterwegs seien und sich damit an den Ton in den sozialen Medien anpassten.

"Die Polizeien sind dafür bekannt, dass sie auf Social Media auch mal ein bisschen lustiger und lockerer sind, was ich auch sehr, sehr gut finde, weil in sozialen Medien ist das nun mal gang und gäbe."
Christiane Germann, Expertin für Behördenkommunikation

Manche Polizeien haben den Humor allerdings besser drauf als andere. Und wiederum andere lernen durch Shitstorms aufgrund von unangebrachten Retweets oder falschen Aussagen, wie die Social-Media-Welt funktioniert.

Werben für den Nachwuchs

Für die Polizei in Sachsen sei die Werbung für Ausbildungsplätze überhaupt erst die Motivation gewesen, sich eigene Social-Media-Accounts zu erstellen, berichtet Pascal Ziehm, Leiter der Stabsstelle Kommunikation der Polizei Sachsen. Derzeit sind sie mit dem Slogan "Verdächtig gute Jobs" auf Instagram unterwegs.

Auch die Berliner Polizei startet aufgrund der Personalmangels immer wieder neue Anwerbekampagnen. Unter dem Slogan "110-Prozent Berlin" postet sie beispielsweise auf Instagram Bilder mit selbstironischen Titeln und bekommt dafür teilweise über 4000 Likes.

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Doch der Polizei geht es im Netz aber nicht nur um die Anwerbung, sondern auch um die allgemeine Bewerbung dieser Institution, sagt Pascal Ziehm.

Die "Gratwanderung" zwischen Witz und Ernst

Dabei wirken manche Landespolizeien bei ihrem Auftritt im Netz nahbarer als andere. Die sächsische Polizei gibt sich beispielsweise staatstragend und postet auf Instagram auch mal ernst dreinblickende Polizistinnen und Polizisten. Die Berliner Polizei gibt sich dagegen auch sehr gerne sehr heiter - und schießt damit manchmal auch über ihr Ziel hinaus.

Beispielsweise mit einem Musikvideo, das die Polizei kurz nach der Berliner Anti-Rassismus-Demonstration im Sommer veröffentlicht hatte. Darin besingen und bespielen fröhliche Polizisten, dass sie auch während der Corona-Krise niemanden alleine lassen wollen.

Das Video hat allerdings einen bitteren Beigeschmack. Denn auf der Demonstration hatte es viele Festnahmen und auch Gewalt von Seiten der Polizei gegeben. Ein Twitter-User nahm deshalb die Musik des Videos und legte sie unter einen neuen Clip, der Videos von polizeilicher Gewalt auf den Straßen Berlins zeigt und auf die Rassismus-Vorwürfe anspielt. "Eine bittere Replik des Gute-Laune-Posts der Polizei" sei das, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs.

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Christine Germann findet die Socia-Media-Auftritte der Berliner Polizei dennoch gelungen. Eine richtige Grenze habe die Polizei damit noch nie überschritten. Was Christine Grimm dabei auch oft beobachte: Sobald es ernst wird, könne die Polizei auch im Netz wieder ernst werden. Und darauf komme es im Notfall an. In diesen Notfall-Momenten sei die Polizei besonders auf Social Media angewiesen

"Ich beobachte aber schon: Wenn es ernst wird, dann ist die Berliner Polizei auch wieder ernst. Und genau darauf kommt es halt an, diese Gratwanderung gut hinzukriegen."
Christiane Germann, Expertin für Behördenkommunikation

Das habe sich beispielsweise bei dem terroristischen Anschlag in Wien gezeigt, sagt Pascal Ziehm. Denn die betroffenen Menschen vor Ort könne die Polizei natürlich am besten und schnellsten über das Netz erreichen. Doch man dürfe in solchen Fällen die Schnelligkeit, mit der Informationen in den sozialen Medien verbreitet werden, auch nicht unterschätzen. Sie seien deshalb Fluch und Segen zugleich.

Shitstorms lassen selten lange auf sich warten

Dass man allgemein die Wirkung von Posts oder Aussagen im Netz nicht unterschätzen sollte, zeigt ein weiteres Beispiel der sächsischen Polizei. Anfang September retweetete sie den Post eines selbsternannten Nazis. Linke Hausbesetzerinnen- und besetzer wurden dort als "linkes Pack" bezeichnet.

Der Shitstorm danach war groß, obwohl die Polizei den Fehler schnell entdeckt hatte, den Retweet zurücknahm und Pascal Ziehm versichert, der verantwortliche Beamte habe den Tweet nicht absichtlich weiterverbreitet.

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Zum professionellen Umgang mit den sozialen Medien gehört also auch, sich derartige Pannen einzugestehen und sich angemessen zu entschuldigen. Doch Pannen passieren nun mal. Vielleicht wäre die Polizei deshalb auch gut beraten, wenn sie die sozialen Medien hauptsächlich für wichtige Notfälle nutze - und ansonsten nur sparsam und bewusst bediene, sagt Grit Eggerichs.