Der Job des Polizisten bedeutet lange Einsätze und Arbeit in Schichtdiensten. Das hört sich anstrengend an. Trotzdem haben einige Polizisten noch einen Nebenjob. Nach Feierabend arbeiten sie also weiter.  Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Vivien Leue hat sich angeschaut, welche konkreten Zahlen es dazu gibt und in welchen Jobs Polizisten nach ihrem Dienst arbeiten. 

Wie viele Polizisten einen Nebenjob haben, ist unklar. Denn es gibt keine bundesweite Statistik. Die Bundesländer – hier die Innenministerien – sind für ihre Landespolizei alleine verantwortlich. Manchen liegen die Zahlen vor, anderen nicht. Aus den vorliegenden Zahlen geht hervor: In Brandenburg haben knapp 7,5 Prozent einen Nebenjob, in Berlin sind es knapp 10 Prozent. Die Gewerkschaften schätzen die Zahl bundesweit zwischen 5 und 10 Prozent. Abhängig vom Bundesland. 

"Gewerkschaften sagten mir, dass sich die Zahl wohl zwischen 5 und 10 Prozent bewegt, je nach Land."
Vivien Leue über die Schätzungen der Gewerkschaften

Genehmigung ist Pflicht

Wer als Polizist nebenberuflich arbeitet, muss das von seinem Dienstherren genehmigen lassen. Damit wird sichergestellt, dass die Polizisten als Staatsbedienstete nicht in einen Interessenskonflikt geraten. Außerdem werden auf diese Weise Bestechung oder die Weitergabe geheimer Informationen verhindert. 

Eine Auswertung aus Berlin hat gezeigt, dass von den 1500 Polizisten, die in Nebenjobs arbeiten, 130 als Statisten bei Filmproduktionen jobben. Andere Polizisten arbeiten nebenbei als Trainer oder Dozenten. Und auch 26 Schriftsteller waren dabei. 130 der 1500 Berliner Polizisten sind neben ihrem Hauptberuf ehrenamtlich tätig. Diesen Leuten geht es also nicht um den finanziellen Aspekt. Von den Gewerkschaften erfuhr Reporterin Vivien Leue, dass viele Polizisten auch im Betrieb der Familie nebenbei arbeiten.

"Wenn zum Beispiel die Eltern ein Gemüsegeschäft haben, oder die Frau einen Schreibwarenladen, dann steht da auch mal der Polizist hinter der Theke und verkauft oder er macht am Wochenende die Abrechnungen." ​
Vivien Leue über die Jobs

Die Zahlen zeigen, dass es nicht allen, der nebenbei jobbenden Polizisten, wohl nur um die finanziellen Aspekte geht. Beispielsweise den Ehrenämtlern oder vielleicht den Schriftstellern. 

Staatsdiener müssen genug verdienen, fordern manche Gewerkschaftler oder auch Politiker

Trotzdem fordern manche Gewerkschaftler oder auch Politiker, dass ein Polizist als "Staatsdiener" eben genug verdienen muss. So viel, dass es keinen finanziellen Anreiz gibt, nebenher zu arbeiten. Oliver von Dobrowolski von Polizei grün e.V. sagt, dass damit sichergestellt werden könne, dass Überlastungen ausgeschlossen sind.

"Ich denke, dass die wenigsten Polizeikräfte gerne einen Nebenjob haben. Zumal dies immer auch zulasten von Freizeit und Familie geht und auch ein wichtiger Ausgleich kaum möglich ist."
Oliver von Dobrowolski, Vize-Bundesvorsitzender von Polizei Grün e.V., Verein grüner und grünennaher Polizeibediensteter

Die Gehälter der Polizisten sind in den Bundesländern verschieden

In Hamburg zum Beispiel verdienen Polizisten am meisten. Direkt nach der Ausbildung sind das rund 28.500 Euro brutto im Jahr. Netto sind das bei jemandem, der keine Kinder hat, nicht verheiratet ist und etwa Anfang 20 Jahre alt ist, 1800 Euro im Monat. 

Berlin liegt am unteren Ende der Gehaltsskala. Dort steigt ein Polizist nach der Ausbildung mit knapp 25.000 Euro Jahresgehalt ein. Das sind monatlich - bei dem eben genannten Beispiel - 1600 Euro netto.

Die Gehälter steigen dann bis zum Alter von 30 Jahren alle zwei Jahre leicht an. Bis zu einem Alter von 40 Jahren alle drei Jahre, ab 40 Jahren dann alle 4 Jahre. Zudem können Polizisten in den Gehaltsstufen aufsteigen. Außerdem gibt es Zuschläge für Verheiratete, für Kinder, für Mitglieder des SEK oder für verdeckte Ermittler.